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News aus Medizin, Pflege und Gesundheit

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Veröffentlicht unter Team

Man kann nicht nicht kommunizieren – oder doch?

ein Beitrag von Mag. Volker Hermanspann (Fa. WK-Fortbildungen)

Ein Satz, den Sie bestimmt kennen: Man kann nicht nicht kommunizieren. Auch wenn man schweigt, keine Antwort gibt, sich abwendet – all das sind eindeutige und in der Regel vom Kommunikationspartner auch klar verstandene Kommunikationssignale.

Was aber sind die Dinge, die man bei der Kommunikation beachten soll? Früher war das einfach: Jemand, der was zu sagen hatte, sagte was, und der andere, der in der Regel nicht so viel zu sagen hatte, hörte zu und tat, was ihm gesagt worden war. Die Kommunikation verlief von oben nach unten. Aber das ist nicht mehr die Kommunikation unserer Zeit – die Kommunikation einer demokratischen Gesellschaft. Heute verläuft Kommunikation in der Regel horizontal: Sprecher/Hörer und Hörer/Sprecher befinden sich quasi auf einer Ebene. Wenn eine Kommunikation vertikal, also von oben nach unten, verläuft, dann fühlen wir uns nicht wohl dabei. Es sei denn, wir sind Mitglieder eines Chors oder eines Orchesters; da sind wir durchaus glücklich, dass einer uns sagt, was wir genau zu tun haben. Auch bei einem Einsatz der örtlichen Feuerwehr ist eine klare Befehlsstruktur angebracht. Und man kann sich das Gelingen einer klinischen Operation wohl schlecht vorstellen, wenn sich nicht alle daran Beteiligten darauf einigen, dass einer im Team das Sagen hat. Es gibt also durchaus sinnvolle Beispiele für eine vertikale, also asymmetrische Kommunikationsstruktur. Aber das sind die Ausnahmen. Wer in einer entwickelten Gesellschaft lebt, die den Gedanken der Würde jedes einzelnen Menschen ernst nimmt, muss ein Interesse an symmetrisch geführten Kommunikationen haben.

Wichtig:
Eine symmetrische Kommunikation, also eine auf Augenhöhe, zu führen ist deutlich komplizierter als eine vertikale. Sie setzt voraus, dass beide Gesprächspartner sich an Regeln halten, die nicht nur darin bestehen, dass man den anderen ausreden lässt, sondern zunächst einmal viel mit der Einstellung zum anderen zu tun haben.

Innere und äußere Haltung
Und das ist das erste, über das ich mir Klarheit verschaffen muss: Wie sehe ich mein Gegenüber, was halte ich von ihm oder ihr? Ja, noch viel grundsätzlicher: Was denke ich überhaupt über andere Menschen? Ich muss also bei meiner Einstellung beginnen.

Ein anderes Wort für Einstellung ist Haltung. Und dieses Wort hat ja im Deutschen zwei Bedeutungen: Zum einen bezeichnet es meine äußere Haltung („Halt dich gerade!“). Aber, noch viel wichtiger, es bezeichnet zum anderen die Haltung, die ich zu einer Aufgabe oder einer anderen Person habe. Es behandelt also meine Einstellung: Wie stehe ich zu dieser Sache oder dieser Person? Es ist klar, dass die äußere Haltung etwas mit der inneren zu tun hat. Wenn ich mich unsicher fühle, ängstlich bin, dann gehe ich mit einer anderen Einstellung in ein Gespräch, als wenn ich meiner Sache sicher bin. Aber eben auch in einer anderen Körperhaltung. Und wenn wir das jetzt in Beziehung setzen, dann ändert nicht nur eine Veränderung meiner Einstellung zum Gesprächspartner meine körperliche Haltung. Sondern ich kann tatsächlich über meine körperliche Haltung Einfluss nehmen auf den Gesprächsverlauf. Wenn ich körperlich aufrecht und entspannt in das Gespräch gehe, habe ich mit Sicherheit einen besseren Gesprächsbeginn, als wenn ich dem anderen mit angespannter Miene und mit in Abwehrstellung vorgeschobenem Kopf gegenübertrete.

Wichtig:
Der Beginn einer Kommunikation aber ist für deren Verlauf sehr wichtig, manchmal sogar entscheidend. Das heißt: Meine Haltung beeinflusst meine Haltung. (Sie müssen jetzt selbst entscheiden, in welcher Richtung Sie diesen Satz lesen wollen. Er stimmt in jedem Fall.) Und deshalb ist es wichtig, sich zunächst die Frage zu beantworten: Wie sehe ich meinen Gesprächspartner, was halte ich von ihm oder von ihr?

Mimik
Übrigens: Was über die Körperhaltung gesagt wurde, gilt auch für die Mimik: So deutlich unsere Gefühle sich in unserem Gesichtsausdruck spiegeln, so klar können wir auch über bewusst eingesetzte Mimik Einfluss auf unsere Gefühle nehmen. Und so empfiehlt es sich selbstverständlich, in ein Gespräch immer mit entspannten Gesichtszügen zu gehen. Denn, wie schon gesagt: Der Anfang eines Gespräches ist wichtig für den Verlauf.

Kopfkino
Es sind nicht nur die körperlichen Merkmale, mit denen ich bewusst umgehen kann. Genauso wichtig,
vielleicht sogar noch viel wichtiger, sind die Dinge, die mir während eines Gespräches durch den Kopf gehen. Schon vorher tauchen bei mir Gedanken auf: „Mein Gott, wie der schon aussieht!“, „Wie die schon da sitzt!“ u. ä.; aber so richtiges Kopfkino wird während des Gespräches eingeblendet: „Typisch Frau“, „Typisch Mann“, „Typisch Arzt“, „Typisch Pflegekraft“, „Das weiß ich doch schon alles“, „Der nervt“ und so weiter und so weiter. Von diesen Gedanken ist niemand frei, und sie beeinflussen natürlich stark das, was wir vom anderen aufnehmen, hören – und vor allem, wie wir es aufnehmen. Und es sind gute Gedanken und böse Gedanken, freundliche und unfreundliche, passende und manchmal sehr unpassende, die uns da immer wieder durch den Kopf gehen.

Ausblenden kann man dieses Gespräch im Kopf nicht. Gedanken kommen, wann sie wollen. Was Sie allerdings tun können, ist, sich bewusst zu machen, dass da ein Gespräch im Kopf stattfindet. Dass Sie schon wieder meinen, genau zu wissen, was der andere gerade denkt und was er eigentlich, in Wirklichkeit, sagen will. Nur wenn ich mir dieses Gesprächs in meinem Kopf bewusst mache, dann kann es verschwinden. Oder es hat zumindest nicht mehr die Macht über mich oder meine Kommunikation. Martin Luther hat das einmal in dem wunderbaren Satz gesagt: „Ja, die bösen Gedanken! Wir können nicht hindern, dass die Vögel über uns hinfliegen, aber wir können hindern, dass sie auf unseren Köpfen Nester bauen.“

Praxistipp:
Das ist es also, was wir bei uns selbst immer beachten sollten: dass wir in möglichst entspannter Haltung in das Gespräch gehen, uns körperlich in eine gute Verfassung bringen und dass wir versuchen, die Gedanken in unserem Kopf, nein, nicht zu steuern, das geht nicht, sondern sie wahrzunehmen und dadurch quasi zu neutralisieren.

Gut dastehen
Und was ist jetzt mit unserem Gesprächspartner? Lassen Sie uns auch da zunächst einen Blick auf uns selbst werfen. Was ist es, das uns durch unser ganzes Leben begleitet? Das uns schon im Sandkasten kämpfen ließ, wenn jemand zu uns sagte: „Du bist doof!“ Denn sofort kam unsere Antwort: „Selber doof!“ Sie werden vielleicht sagen, ja, bei Kindern ist das eben so. Aber kennen wir das nicht auch aus unseren „erwachsenen“ Dialogen, wenn zum Beispiel unser Partner zu uns sagt: „Du hast schon wieder den Müll nicht runtergebracht!“ und wir, ohne lange nachzudenken, antworten: „Hast du letzte Woche ja auch nicht!“ Was ist das, dieses den anderen nicht hören, sondern sofort in die Gegenoffensive wechseln? Wie damals im Sandkasten. Warum gehen wir sofort in die Verteidigungshaltung, statt zu hören, was der andere sagt?

Nun, da müssen wir schon wieder in die Psychologie wechseln. Der Mensch will geliebt werden und hat große Angst davor, abgelehnt zu werden. Anders ausgedrückt: Wir wollen gut dastehen. Gut dastehen. Ganz einfach. Und jede Kritik, die an uns gerichtet wird, scheint dieses Gut-dastehen-Wollen zu gefährden – ob das nun im Sandkasten ist (Doof! – Selber doof!) oder während einer Besprechung (Die Unterlagen sind nicht komplett! – Ja, wenn ich ständig von Ihnen bei der Arbeit unterbrochen werde!). Wir sehen allerdings schon an diesen kleinen Beispielen, dass diese „Verteidigungsstrategien“ nicht funktionieren: Zwei heulende Kinder gehen zu ihren Mamis; zwei Gesprächsteilnehmer äußern sich nach dem Gespräch, natürlich nur Dritten gegenüber: „Die Pflegekräfte heutzutage …!“ und „Dr. X spinnt, soll er doch sehen, wie er ohne mich klar kommt!“ (Wenn man so will, also auch hier zwei greinende Kinder.)

Gewinner- oder Verliererspiel
Halten wir, die wir erwachsen sind und über so vieles klug nachdenken können, fest: Der Versuch, den anderen schlecht dastehen zu lassen, wenn er uns etwas Unangenehmes sagt, funktioniert nicht. Wir können es ganz präzise sagen: Wann immer wir versuchen, über Rechthaberei oder eine andere Art, den anderen ins Unrecht zu setzen, gut dazustehen, wann immer wir also versuchen, auf Kosten des anderen gut dazustehen, wird es zu einem Verliererspiel für beide Seiten. Und jetzt kommt noch ein Satz, den ich voller Sicherheit in die Welt setze:

Eine Kommunikation hat entweder zwei Gewinner – oder zwei Verlierer. Da aber niemand aus seinen Gesprächen als Verlierer herausgehen möchte, gibt es nur eine einzige sinnvolle Möglichkeit für jede Kommunikation: Ich muss den anderen gut dastehen lassen. Dann und nur dann ist dieser bereit, auch mich gut dastehen zu lassen.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich muss nicht dem anderen immer Recht geben, immer das sagen, was er hören will. Nein, das wäre verlogen. Ich darf ihm schon alles sagen, was gesagt werden muss. Nur: Ich muss dabei immer seinen Wunsch berücksichtigen, geachtet, wertgeschätzt, in seiner Würde gesehen zu werden. Wenn ich hier einen Fehler mache, den Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin also verletze, muss der andere, ich betone: er muss! dagegenhalten und mich verletzen. Und da fällt ihm, aus der schönen Tradition unserer Sandkastenerfahrung heraus, ganz bestimmt etwas ein. Wir Erwachsenen schaffen das natürlich viel subtiler als Kinder. Aber verletzende Signale geben, das können wir auch sehr gut!

Symmetrische Gesprächsführung
Da ist natürlich die Frage spannender, was wir denn tun können, damit das Gespräch nicht zu einem Verliererspiel wird. Und da helfen uns einige Überlegungen zu den verschiedenen Möglichkeiten, mit denen wir ein Gespräch führen können.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen. Sie sind bei Ihrer Arbeit und erstellen gerade eine Dokumentation an Ihrem Schreibtisch. Der Prüfarzt kommt herein, schaut sich Ihre Unterlagen kurz an und sagt, in deutlich vorwurfsvollem Ton: „Da sind ja schon wieder Fehler drin!“ Jetzt haben Sie ganz unterschiedliche Möglichkeiten der Reaktion:
– Sie können antworten: „Bitte nicht in diesem Ton!“ (Sie ahnen, wie das jetzt weiter geht. Wir stehen kurz vor der Eröffnung des neuen Sandkastens.)
– Oder Sie antworten, in weinerlichem Ton: „Ach, ich weiß schon. Heute ist überhaupt nicht mein Tag. Ich habe schon heute Morgen meinem Mann gesagt: ‚Ich sollte besser zu Hause bleiben’, aber ich konnte Sie ja hier nicht im Stich lassen.“ (Sollte Ihr Vorgesetzter jetzt die Augen verdrehen, würde mich das nicht wundern.)
– Oder, eine dritte Möglichkeit: Sie schauen Ihren Chef an und sagen: „Tut mir leid, aber jetzt mache ich es richtig.“

Sie spüren schon jetzt, obwohl wir diese drei Möglichkeiten der Reaktion noch gar nicht näher analysiert haben, dass es bei der letzten Reaktion auf eine Kommunikation hinausläuft, bei der am Ende wahrscheinlich zwei Gewinner stehen.

Aber gehen wir systematisch vor. Die erste Instanz, die wir in unserem Leben kennenlernen, sind unsere Eltern. Und wie immer diese sich verhalten, ob fürsorglich, liebevoll, schützend oder ob wir sie als strafend und vorwurfsvoll erleben – in jedem Fall ist die Kommunikationsform der Eltern bestimmend, dominant. Eltern sind Regeln aufstellende Autoritäten; sie sagen, wo’s lang geht. In diesem Sinne sind Eltern, ganz wertfrei gesagt, autoritär. Wir können diese Kommunikationsform, die ja die erste ist, die wir in unserem Leben kennenlernen, in Anlehnung an das so genannte Transaktionsmodell des Psychoanalytikers Eric Berne als Eltern-Ich bezeichnen. Und jedes Kind erlernt diese Kommunikationsmöglichkeit – da es ja über lange Jahre hin Tag für Tag damit konfrontiert ist.

Dagegen allerdings baut das Kind allmählich sein Kind-Ich auf. Es grenzt sich aus der undifferenzierten Einheit mit den Eltern aus und begreift sich als eigenständige Persönlichkeit, als einmalige, unteilbare Einheit (und das Wort In-dividuum bedeutet ja nichts anderes als das Un-teilbare). Sein Ich kann das Kind allerdings nur in der Abgrenzung vom Ich der Eltern erfahren, und das tut es, indem es auf Widerspruch geht. Nein ist das bevorzugte Wort in dieser Ich-Abgrenzungsphase (die wir deshalb auch als Trotzphase bezeichnen). Und das Kind handelt immer spontan und immer aus seiner Emotionalität heraus: Es ist total liebevoll, neugierig, offen, kreativ. Und es ist widerständig, schlecht drauf, wütend und aggressiv. Wie es ihm eben seine Gefühle eingeben. Wenn unser Eltern-Ich also von Dominanz bestimmt ist, dann ist es beim Kind-Ich die Emotion.

Unserer Kommunikationen erfolgen zunächst aus diesen beiden Ich-Formen heraus: aus dem dominanten Eltern-Ich und aus dem emotionalen Kind-Ich heraus. Wenn sie zu ihm sagt: „Ich find das unmöglich von dir!“ und er daraufhin antwortet „Püh, ist mir doch egal“, dann hat sie vorwurfsvoll aus dem Eltern-Ich und er trotzig aus seinem Kind-Ich heraus gesprochen. Und wenn er nach Hause kommt und sagt: „Schatz, ich hab‘ so’n Hunger!“ und sie antwortet: „Okay, ich mach dir schnell was zu essen“, dann beginnt er bettelnd im Kind-Ich und sie antwortete im mütterlich-fürsorglichen Eltern-Ich. Auch wenn zum Beispiel ein Studienpatient, weil er so lange warten musste, seinen Ärger an der Studienassistentin auslässt und sie pampig anredet, dem Prüfarzt gegenüber sich dann aber lammfromm verhält, dann erwächst dieses ja doch ungerechte Verhalten aus den uralten Ängsten eines Kindes vor den Reaktionen der deutlich übergeordneten Eltern. Bei der Studienassistentin traut man sich eher, etwas zu sagen – man nimmt sie auf der Ebene wahr, auf der man selber steht.

Solche Kommunikationsspiele sind damit gut erklärbar, es sind Spiele der Erwachsenen (so heißt auch das Buch von Eric Berne). Sie gehen von diagonalen Kommunikationswegen aus (Prüfarzt/Studienpatient), von oben nach unten oder von untern nach oben. Sie sind damit völlig in Ordnung – auch wenn sie in dem letzten Beispiel für die Studienassistentin ärgerlich sind. Sie sind in Ordnung, sagte ich, solange es um nichts Wichtiges geht. Für ernsthafte Prozesse allerdings sind sie ungeeignet. Damit sind sie auch bei der Arbeit ungeeignet, denn da geht es ja schließlich um etwas.

Unser Erwachsenen-Ich
Und deshalb erlernen wir im Laufe unseres Lebens noch eine dritte, erwachsene Kommunikationsform. Hier finden sich jetzt alle nichtdominanten, alle unemotionalen Eigenschaften: Verantwortungsbereitschaft, Rationalität, Kompromissbereitschaft, Kritikfähigkeit. Die Kommunikation aus dem Erwachsenen-Ich heraus ist nicht mehr diagonal, nicht mehr asymmetrisch. Sie findet auf Augenhöhe statt, sie lässt den Kommunikationspartner als Person stehen (gut dastehen), achtet seinen Wert – ist also letztlich symmetrisch.

Wichtig:
Kommunikationen aus solcherart symmetrischen Haltungen der Kommunikationspartner heraus haben keinen Platz für Verletzungen. Es geht also um die Bereitschaft, verantwortlich mit seinen Mitmenschen und damit verantwortlich mit der Kommunikation umzugehen. Denn Kommunikation gestaltet ja unsere Beziehung zum anderen. Kommunikation ist Beziehung.

Praxistipps für ein gelungenes Gespräch
Jetzt, wo geklärt ist, was während einer Kommunikation in uns geschieht (Haltung, Kopfkino) und worauf wir bei unserem Gesprächspartner, unserer Gesprächspartnerin achten müssen (Gut-dastehen-Lassen, Symmetrie), folgen noch einige konkrete Tipps, auf die Sie während einer Kommunikation achten können und achten sollten.

Beziehung
Das Wichtigste bei jedem Gespräch ist, zu unserem Gegenüber in Beziehung zu gehen. Bringen Sie sich selbst in eine aufgeräumte und auch körperlich entspannte Haltung. In Beziehung zu gehen ist keine Frage der Zeit, nur eine Frage des daran Denkens. Bevor ich auf das Thema des Gesprächs komme, muss ich den anderen wahrnehmen und formal durch einen Gruß die Beziehung eröffnen – und ich muss in irgendeiner Form die Bereitschaft des anderen testen, das Gespräch zu führen. Wir tun das bisweilen durch die uns manchmal lächerlich erscheinende Frage ‚Wie geht’s?’, die aber eben doch nicht so lächerlich ist; denn sie eröffnet die Möglichkeit, die bestehende Stimmung anzudeuten und unverfänglich ins Sprechen zu kommen. Und Sie werden es kaum glauben: Die meisten Kommunikationsfehler werden auf der Beziehungsebene gemacht, nicht auf der Sachebene. Wir ‚stolpern’ oft in unsere Kommunikationen, ohne wahrzunehmen, wo unser Gegenüber sich gerade befindet. Also achten Sie auf eine gute Beziehung zu Beginn des Gesprächs. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kommunikation von Anfang an.

Verantwortung
Weiter oben wurde gesagt, dass Sie Ihren Gesprächspartner gut dastehen lassen sollen. Sie sollen auf eine symmetrische, erwachsene Gesprächsführung achten. Damit können Sie auch am allerbesten die, wie soll ich es nennen: Prellbocksituation, in der Sie sich als Studienassistentin sicher häufig fühlen, neutralisieren. Und ganz praktisch tun Sie das am besten dadurch, dass Sie dem anderen zuhören. Jawohl, ganz einfach: zuhören. Verantwortlich zuhören heißt, wirklich zu hören, was der andere Ihnen gerade sagt. Get it! – Der Wert jeder Kommunikation liegt in der Qualität des Zuhörens. Und: Übernehmen Sie Verantwortung dafür, dass man Ihnen zuhört. Sie haben richtig gelesen: Verantwortung dafür, dass man Ihnen zuhört. Sorgen Sie dafür, dass man mit Ihnen so umgeht, wie Sie es mit anderen tun. Dadurch entsteht Symmetrie im Gespräch. Voilá!

Anerkennung
Die beste Voraussetzung, dass man Ihnen zuhört, ist die Anerkennung Ihres Gesprächspartners. (Über die Gedanken in Ihrem Kopf haben wir ja schon gesprochen. Darum geht’s jetzt.) Wenn Sie aus einer Haltung von Anerkennung sprechen, dann wird Ihre Kommunikation schnell zu einem Gewinnerspiel. Jetzt werden Sie sagen: „Aber wenn ich doch am anderen nichts Anerkennenswertes finde!“, – ja, wenn Sie gar nichts am anderen finden, was Sie anerkennen können, dann sehe ich wenig Chancen, dass es ein gutes Gespräch wird. Also finden Sie etwas (man kann das üben; aber Vorsicht: Keine Heuchelei!) und bringen Sie das ruhig auch ins Wort. Denn die Anerkennung des anderen ist die beste Voraussetzung dafür, dass man Ihnen zuhört und das Gespräch zum Gewinnerspiel wird. Für Sie – und für Ihren Kommunikationspartner!

Ihr Volker Hermanspann

Rhetorik ist kein Wundermittel!

ein Beitrag von Mag. Volker Hermanspann (Fa. WK-Fortbildungen)

Es geht am allerwenigsten um Tipps und Tricks. Nein, was das Reden vor anderen so schwierig macht, sind unsere eigenen Ängste. Ängste vor dem Publikum, Ängste vor unerwarteten Reaktionen, Ängste, sich zu blamieren.

Je mehr wir die Fragen beantworten können,

  • wo liegen meine Stärken in der Außendarstellung?
  • was sind meine Mittel, andere für mich zu gewinnen?
  • was ist ein für mich stimmiges äußeres Erscheinungsbild?
  • was sind die spezifischen Mittel meiner Körpersprache?
  • wie kann ich die Aufmerksamkeit des Zuhörers gewinnen und halten?

desto besser können wir auch unser Anliegen erfolgreich vertreten – wo immer es sein muss. Wer diese Fragen nicht oder nur ansatzweise beantworten kann, spricht und redet in aller Regel weit unter seinen Möglichkeiten und hat ein Unbehagen bei jedem „öffentlichen“ Auftreten. Und das erschwert viele der täglichen Aufgaben!

Ihr Volker Hermanspann

Transaktionsanalyse- ein Kommunikationsmodell für die Personalführung

ein Beitrag von Mag. Volker Hermanspann (Fa. WK-Fortbildungen)

In der Personalführung setzt sich mehr und mehr ein kommunikatives Strukturmodell durch, das ursprünglich der Tiefenpsychologie entstammt: das Modell der Transaktionsanalyse. Die Transaktionsanalyse, kurz TA, basiert auf der Frage, wann und in welcher Form jeder Mensch Kommunikation erlernt. Die kommunikativen Erfahrungen, die wir als Kind mit unseren Eltern machen, werden als Basis für unsere lebenslange Kommunikation gesehen. Konkret sind dies Strukturen von Dominanz, Vorwürfen, Vorurteilen auf der einen, solche von Trotz, Widerstand, Unzufriedenheit (oder, um es mit einem modischen Ausdruck zu sagen: zickigem Verhalten) auf der anderen Seite. Kommunikationen, die einfach so ablaufen, die wir uns also nicht bewusst machen, verlaufen in der Regel innerhalb dieses Verhaltensspektrums, also in einem fast physikalischen Bereich von actio und reactio. Das hat in der Regel den gravierenden Nachteil, dass wir nicht zu befriedigenden Ergebnissen gelangen, dass wir uns überhaupt unwohl fühlen in der Kommunikation. Es bedarf keiner näheren Erklärung, dass innerhalb privater Kommunikationsstrukturen solche Eltern-Kind- oder Kind-Eltern-Kommunikationen häufig der Fall sind und im Übrigen kein besonderes Problem darstellen. Sie sind bisweilen sogar Teil des ‚vereinbarten’ gegenseitigen Rollenverhaltens. Wenn ER sich beim Abwasch dumm anstellt, wenn SIE ihren Wunsch danach, heute Abend in ein Restaurant zu gehen und nicht zu Hause zu bleiben, auf die eingespielte leicht erpresserische Art des kleinen Kindes durchsetzt – nun gut, es stört nicht, es mag funktionieren. – Aber (und dies ist eine ganz fett geschriebenes Aber): Wann immer es um etwas geht, dann ist diese Art der Kommunikation nicht nur in hohem Grade unbefriedigend, sondern in der Regel vor allem auch ineffizient. Und bei der Arbeit geht es wohl immer um etwas. Für all diese Kommunikationen empfiehlt sich daher eine weitere Transaktionsebene, eine, die im Wesentlichen durch Rationalität, Entscheidungsfreude, Verantwortlichkeit gekennzeichnet ist oder, um es mit den Begriffen praktischer Kommunikation auszudrücken, durch Zuhören, verantwortliches Sprechen sowie konzeptfreien Umgang miteinander. Dies wäre, neben den oben genannten Ebenen der Eltern-Kind-Kommunikation die der Erwachsenen Kommunikation. Wer Erfahrung hat in der Personalführung wird dies wissen. Er oder sie wird mehr und mehr grundsätzlich auf dieser erwachsenen Ebene kommunizieren – nicht, weil es humaner, freundlicher ist und das eigene Ansehen verbessert (das alles tut es auch), sondern weil es am besten funktioniert. So sehr man bisweilen in einen Zorn geraten mag über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so sehr man den Wunsch (und die Berechtigung) verspüren mag, diesem Gefühl nachzugeben, so sehr steht doch zu befürchten, dass man anschließend mehr Energien bei der kommunikativen Trümmerbeseitigung einzusetzen gezwungen ist, als man zuvor durch die emotionale Abfuhr gewinnen konnte (hierfür empfiehlt sich eher ein Punchingball im Nebenraum). – Nein, Führung, der an qualitativer Verbesserung gelegen ist (und woran sonst sollte sie Interesse haben?!), führt Kommunikationen mit zunehmender Erfahrung von vorneherein auf Augenhöhe, also nicht von oben nach unten oder von unten nach oben, sondern quasi symmetrisch. Das bedeutet aber auch, dass man immer versuchen muss, den Gesprächspartner nicht schlecht dastehen zu lassen. Wenn man nämlich gegen diese Grundregel von Kommunikation verstößt, wird das Ergebnis immer Missachtung durch den Gesprächspartner sein; und wenn dieser dies nicht offen zum Ausdruck bringen kann, indem er etwa mit Rechtfertigungen, Gegenvorwürfen, Trotz und ähnlichem antwortet, dann wird er schon andere Wege finden, seine bad vibrations zu streuen. Dies zwei ganz einfache Schlüsse aus der Beschäftigung mit der Transaktionsanalyse. Sie sind letztlich nicht wirklich neu (wie es in der Kommunikation eigentlich nie etwas wirklich Neues gibt!), aber sich daran, gerade in allen kritischen Situationen, zu erinnern, erspart Ärger, Zeit und Nerven. Es dient damit der persönlichen Energiegewinnung.

Veröffentlicht unter Team

Grundlage meiner Kommunikationsseminare

ein Beitrag von Mag. Volker Hermanspann (Fa. WK-Fortbildungen)

Ein Seminar umfasst zum einem das Handwerkszeug: hier vor allem die Transaktionsanalyse; dazu viele weitere „Basics“ wie Konzepte, Wertungen, das „Gespräch“ im Kopf und vieles mehr. Zum anderen geht es um die ständige Reflexion des eigenen Verhaltens. Das Ziel dabei ist, den Teilnehmern zu vermitteln, wie sie es schaffen, in einer konkreten Kommunikationssituation auf einer produktiven Ebene mit einander umzugehen. Hier geht es um Begrifflichkeiten wie
• respektvolles, „gleichwertiges“ Zuhören
• repressionsfreies, wertschätzendes, anerkennendes Sprechen,
• damit um faires, kreatives Zusammensein.

Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten, über die eigene Persönlichkeit kann man nicht über Bücher, sondern nur über Seminare erlernen. Dazu muss ein Handwerkszeug vermittelt werden, in meinem Falle die Transaktionsanalyse nach Eric Berne; im Seminar wird dann geübt, dieses Handwerkszeug in Bezug auf die eigenen „Stärken“ und „Schwächen“ anzuwenden, um dann, in einem dritten Schritt, einen inhaltlichen Transfer zu leisten, also das Gelernte in den beruflichen und privaten Alltag einzubringen. Kommunikation ist nicht zu trennen in berufliche oder private. Sie ist immer Einheit und umfasst die gesamte Persönlichkeit. Es geht in meinen Seminaren also um Entwicklungsmöglichkeiten: Der Teilnehmer soll ein Bewusstsein für authentisches Verhalten erhalten. Dabei geht es nicht um die quasi statische Nutzung eines Handwerkszeugs, sondern um die Erfahrung einer dem einzelnen und seinen Stärken entsprechenden Authentizität: Der Teilnehmer muss sich seiner selbst bewusst werden. Mein Grundanliegen ist, dass jeder sich traut, der zu sein, der er ist. Der Ruhige ist nicht schlechter als der Extrovertierte. Es gibt keine Schwächen, sondern nur Dinge, die jemand als solche deklariert. Es gibt kein Richtig und Falsch. Nur die Angst des einzelnen hindert ihn am In-Beziehung-Sein. Eine Kommunikation funktioniert oder funktioniert nicht.

Der Transfer schließlich, also das Einbringen in die konkrete und je eigene Situation wird durch Arbeitsaufträge für die Zeit nach dem Seminar ermöglicht. Jeder Teilnehmer soll sich dabei Situationen überlegen, in der er die Erfahrungen des Seminars ganz konkret anwenden kann – also in Kommunikationen mit der Kollegin, dem Arbeitgeber, der Mutter, dem Partner …

Ich freue mich schon jetzt, gemeinsam mit Ihnen zu arbeiten!

Ihr Volker Hermanspann

Veröffentlicht unter Team

Vorhofflimmern: erhöhtes Risiko für kognitive Dysfunktionen und Demenz

Werte Kolleginnen und Kollegen,

heute stelle ich einen interessanten Artikel zum Thema „Vorhofflimmern“ von Batya Swift Yasgur für Sie in unseren NEWS-Bereich, der am 18.04.19 in MEDSCAPE-Medicine veröffentlich wurde. Der Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und Schlaganfall beziehungsweise Mesenterialinfarkt ist seit Jahren bekannt – dass die betroffenen Patienten allerdings stumme Hirninfarkte erleiden können und dadurch ein erhöhtes Risiko für kognitive Dysfunktionen und Demenz haben, dürfte eine eher unbekannte Information darstellen, der eine erhebliche klinische Relevanz zukommt. Vor allem stellt sich die Frage, ob es tatsächlich ausreichend ist, Patienten mit Vorhofflimmern ausschließlich Antikoagulanzien zu verordnen oder ob sie ein differenzierteres Risiko-Assessment und vor allem eine kontinuierliche (neurologische) Nachuntersuchung benötigen. Lesen Sie untenstehend einen sehr interessanten Artikel mit zahlreichen praxisrelevanten Informationen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Start in die neue Woche.
Ihr Harald Keifert

Große stumme Hirninfarkte bei Vorhofflimmern: Sie sind häufig und triggern kognitiven Abbau – „Auswirkungen wie ein Schlaganfall“

Nach einer aktuellen Schweizer Studie können Patienten mit Vorhofflimmern erhebliche kognitive Einschränkungen durch klinisch stumme große nicht kortikale oder kortikale Infarkte (LNCCI, Large Noncortical or Cortical Infarct) entwickeln. Die Ergebnisse wurden im März im Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht [1]. In einer Multicenter-Studie nahmen die Untersucher bei über 1.700 Patienten mit Vorhofflimmern und einem Durchschnittsalter von 73 Jahren ein MRT und kognitive Tests vor. Sie fanden bei fast einem Viertel der Patienten LNCCI fest. Knapp ein Fünftel der Patienten wiesen Mikroblutungen auf und ein weiteres Fünftel kleine nicht kortikale Infarkte. Fast alle Patienten (99%) zeigten Läsionen der weißen Substanz. Unter den 1.400 Patienten, bei denen es keine anamnestischen Hinweise auf einen Schlaganfall oder Transitorisch Ischämische Attacken (TIA) gab, fanden sich bei 15% der LNCCI-Patienten klinisch stumme Infarkte und bei 18% kleine neokortikale Infarkte (SNCI, Small NeoCortical Infarcts). Die LNCCI erwiesen sich als stärkster Indikator einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit. „Zu den wichtigsten Erkenntnissen aus dieser Studie zählt, dass diese großen ischämischen Infarkte zwar subklinisch sind, sich aber wie ein klinischer Schlaganfall signifikant auf die Kognition auswirken“, sagte der Hauptautor Prof. Dr. David Conen, Kardiologe in der Abteilung für Medizin der McMaster University im kanadischen Hamilton, gegenüber Medscape.

Bislang keine systematischen Untersuchungen zu stummen Infarkten
„Der Zusammenhang zwischen Vorhofflimmern und Tod, Schlaganfall und dekompensierter Herzinsuffizienz ist seit Jahren bekannt. Jetzt deuten neuere Erkenntnisse darauf hin, dass die Patienten auch ein erhöhtes Risiko für kognitive Dysfunktionen und Demenz tragen“, schreiben die Autoren. Diese Verbindung könnte dem erhöhten Schlaganfallrisiko von Patienten mit Vorhofflimmern zugeschrieben werden, doch ist auch das Demenzrisiko erhöht, selbst wenn es klinisch keine Vorgeschichte mit Schlaganfällen gibt. Stumme Infarkte, Mikroblutungen oder andere Hirnläsionen können diesen Zusammenhang erklären, doch fehlt es bislang an systematischen Untersuchungen von Patienten mit Vorhofflimmern. „Mikroblutungen sind besonders interessant, da Patienten mit Vorhofflimmern zur Schlaganfallprävention in der Regel lebenslang orale Antikoagulanzien einnehmen“, so Conen, und der Einsatz dieser Therapie sei bei Patienten mit signifikanten Mikroblutungen umstritten. Das Ziel der Untersucher war es, die Assoziation zwischen klinisch bekannten und unbekannten vaskulären Hirnläsionen, die sie im MRT nachgewiesen hatten, und der kognitiven Funktion von Patienten mit Vorhofflimmern zu untersuchen. Dazu konzentrierten sie sich auf große Infarkte und auf Infarkte, welche die Hirnrinde betrafen, „die mutmaßlich auf embolischem Weg entstanden sind und daher Folge des Vorhofflimmerns sein könnten“. Sie untersuchten auch die zerebrale Mikroangiopathie, welche ähnliche vaskuläre Risikofaktoren hat wie das Vorhofflimmern, nämlich Läsionen der weißen Substanz, SNCIs und Mikroblutungen. „Sowohl die zerebrale Mikroangiopathie als auch der embolische Schlaganfall sind Schlüsselmechanismen in der Demenzentwicklung“, konstatieren sie. Basis der Analyse sind Patienten aus der SWISS-AF-Studie (Swiss Atrial Fibrillation), eine noch laufende prospektive Kohortenstudie an 14 Zentren in der Schweiz. Die Patienten der Studie sind mindestens 65 Jahre alt und haben in der Vorgeschichte ein dokumentiertes Vorhofflimmern. Außerdem zielten die Forscher darauf ab, erwerbstätige Patienten zwischen 45 und 65 Jahren aufzunehmen. Die endgültige Kohorte bestand aus 1.737 Teilnehmern (Durchschnittsalter 73 [± 8] Jahre; 28% Frauen), von denen 90% zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Studie Antikoagulanzien nahmen und 18% eine Plättchenhemmung erhielten. Bei den Teilnehmern wurden zerebrale MRT sowie kognitive Tests mit dem Montreal Cognitive Assessment (MoCA) durchgeführt.

Umfassendere Risikokontrolle
Bei 22% der Teilnehmer wurden LNCCI festgestellt (durchschnittliches Volumen 1.623 mm3) und bei 21% SNCI (durchschnittliches Volumen 63 mm3). Die Autoren bezeichnen den Überschneidungsgrad zwischen LNCCI und SNCI als „gering“ (68% der Patienten mit SNCI hatten keine LNCCI, und 75% der Patienten mit LNCCI hatten keine SNCI, was bedeutet, dass 30% der Studienpopulation entweder LNCCI oder SNCI hatten). Mikroblutungen (durchschnittlich eine) und Läsionen der weißen Substanz (durchschnittliches Volumen 3.918 mm3) wurden bei 22% bzw. 99% der Teilnehmer festgestellt. Das Ausmaß der Läsionen in der weißen Substanz war bei über der Hälfte der Teilnehmer (54%) als zumindest „mäßig“ einzustufen. Schloss man Patienten mit Schlaganfall oder TIA in der Vorgeschichte aus, fand man bei 15% Belege für stumme LNCCI (durchschnittliches Volumen 525 mm3) und bei 18% für stumme SNCI (durchschnittliches Volumen 57 mm3). Die mittlere kognitive Funktion laut MoCA betrug 24,9 (95% Konfidenzintervall, KI: 24,3-25,5) gegenüber 25,9 (95% KI: 25,3-26,5) bei Patienten mit bzw. ohne LNCCI (p < 0,001). Bei Patienten mit SNCI im Vergleich zu Patienten ohne SNCI betrug die kognitive Funktion laut MoCA 25,0 (95% KI: 24,4-25,6) gegenüber 25,9 (95% KI: 25,3-26,4; p < 0,001) und bei Patienten mit Mikroblutungen im Vergleich zu solchen ohne 25,4 (95% KI: 24,7-26,0) gegenüber 25,8 (95% KI: 25,2-26,4; p = 0,07). Der Unterschied im MoCA-Score blieb auch dann erhalten, wenn nur klinisch stumme LNCCI berücksichtigt wurden (24,9 ± 3,1 vs. 25,8 ± 2,9; p < 0,001). Mit einer multivariablen Regressionsanalyse, die alle Parameter der vaskulären Hirnläsionen umfasste, wurde das LNCCI-Volumen als stärkster Prädiktor für einen reduzierten MoCA-Score bei der Kognition ausfindig gemacht (β = – 0,26; [-0,40 bis -0,13]; p < 0,001). Auch wenn die Untersucher Patienten mit einer klinischen Vorgeschichte von Schlaganfall oder TIA ausschlossen, stellten sie fest, dass der Unterschied im MoCA-Score zwischen Patienten mit oder ohne stummen LNCCI, mit oder ohne stummen SNCI sowie mit oder ohne Mikroblutungen ähnlich blieb. „Es handelt sich um eine Querschnittsstudie, sodass wir nichts über die Kausalität der Wirkung oder ihre Richtung sagen können“, bemerkte Conen. „Es ist dabei interessant, dass 90% der Patienten mit oralen Antikoagulanzien behandelt wurden, wie es die klinischen Leitlinien empfehlen. Aber wir haben trotzdem bei einer beeindruckenden Zahl von Teilnehmern subklinische Hirnläsionen gefunden. Was die Frage aufwirft, ob die orale Antikoagulation zur Schlaganfallprävention ausreichend ist, um sämtliche Hirnschädigungen zu verhindern“, sagte er. „Wir stehen also vor der Frage, ob ein Blutverdünner ausreicht, um bei diesen Patienten Hirnschädigungen zu verhindern, und ob nicht andere Maßnahmen – z.B. die Kontrolle von Risikofaktoren wie der Hypertonie, die auch mit Hirnschädigungen verbunden ist – sorgfältiger durchgeführt werden sollten.“ Die Studie führe einen zudem zu der Frage, ob sich alle Hochrisiko-Patienten einem zerebralen MRT unterziehen sollten, obwohl das mit hohen Kosten verbunden wäre, fügte er hinzu.

Überzeugende Evidenzen
Prof. Dr. Jagat Narula, Kardiologe an der Icahn School of Medicine an der Mount-Sinai-Klinik in New York, der nicht an der Studie beteiligt war, wurde von Medscape um einen Kommentar gebeten. Er nannte die Untersuchung „wichtig“ und betonte, dass „im Gegensatz zum Vorhofflimmern, bei dem der Ursprung eines embolischen Insultes offensichtlich ist, zunehmend erkannt wird, dass die Gefäßpathologie zu einem kognitiven Leistungsabfall oder zu einer vaskulären Demenz beitragen kann, wie es in der alternden Bevölkerung häufig vorkommt“. Narula ist Coautor eines begleitenden Editorials und Vizepräsident der World Heart Federation und meint, dass „wenn man die vaskulären Risikofaktoren in der Lebensmitte in angemessener Weise kontrolliert, die Spätdemenz seltener wird und sich eventuell Möglichkeiten bieten, den fortschreitenden kognitiven Abbauprozess zu beeinflussen“ [2]. Die Ergebnisse könnten „den Ruf nach einer umfassenderen Bildgebung bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen laut werden lassen, doch die damit verbunden Kosten wären wohl unerschwinglich“, warnt Narula, der auch Chef der Abteilung für bildgebende Verfahren bei Herz- und Gefäßerkrankungen am Mount Sinai Health System ist. Dennoch seien „die Evidenzen für einen Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und kognitiven Dysfunktionen überzeugend und bieten Ansätze für präventive Maßnahmen, obwohl die Daten der Studie, die den Nutzen einer Prävention kardiovaskulärer Risikofaktoren belegen, noch bestätigt werden sollten“. Conen stimmt dem zu und ergänzt, dass seine Gruppe „intensiv daran arbeitet, mithilfe von klinischen Faktoren und Biomarkern Personen mit hohem Risiko zu identifizieren und Risikofaktoren zu finden, die eine kleinere Subpopulation von Patienten definieren könnten, welche von der Hirnbildgebung profitieren würde“.

Dieser Artikel wurde von Markus Vieten aus www.medscape.com übersetzt und adaptiert.
(1) Conen D, et al: JACC (online) 9. März 2019
(2) Baxx JJ, et al: JACC (online) 9. März 2019

Irrtümer zum Thema Grippe

Liebe Leserinnen und Leser,

das Thema ist nicht neu! Eine Grippe ist harmlos und Impfungen führen häufig zu neurologischen Erkrankungen und lebenslanger Behinderung! Diese Meinung wird von zahlreichen medizinischen Laien vertreten. Unstrittig kann eine Grippe harmlos sein und ebenso unstrittig ist es, dass Impfungen zu problematischen Komplikationen führen können! Dennoch . . .

Wichtig ist eine gezielte, ehrliche, verständliche und auch verständnisvolle Aufklärung, die Sorgen und Nöte aufmerksam wahrnimmt und trotzdem auf das erhebliche Infektionsrisiko und seine Folgen hinweist. Hier finden Sie fünf Irrtümer, die Sie in Aufklärungs- und Informationsgesprächen ansprechen sollten.

Ihr Harald Keifert

Artikelquelle: Medscape Medicine 16.01.19

Irrtum 1: Eine Grippe ist harmlos.

Die Vorstellung, dass eine Influenza-Infektion mild und somit „kein Problem“ sei, ist ziemlich weit verbreitet. Ein Teil des Missverständnisses besteht darin, dass mit dem Wort „Grippe“ verschiedene Krankheiten von der Erkältung oder Gastroenteritis bis hin zur tatsächlichen, im Labor bestätigten Influenza-Infektion benannt werden. Leider hat die weite Verbreitung des Begriffs „Grippe“ schließlich dazu geführt, dass die Grippe fälschlicherweise oft nicht mehr als potentiell schwere Krankheit aufgefasst wird. Dies wird noch durch den Umstand verschärft, dass die Grippe mitunter tatsächlich mild verlaufen kann und nicht mit dem klassischen Syndrom aus rasch ansteigendem Fieber, Myalgie, Schwäche, Schüttelfrost und starker Abgeschlagenheit verbunden ist.
Diese Argumente können Sie Ihren Patienten mit auf den Weg geben:

  • Große Unterschiede im Verlauf: Die Ausprägung einer Grippe reicht von einer leichten Erkrankung bis zur tödlich verlaufenden Infektion.
  • Die Schwere der Erkrankung hängt von dem aktuell zirkulierenden Influenza-Stamm sowie von den individuellen Faktoren des Patienten ab, wie z.B. bestehende Vorerkrankungen, Alter, frühere Influenza-Exposition, Impfstatus und allgemeiner Gesundheitszustand.
  • Hohe Mortalität: Die epidemiologischen Daten belegen jedoch, dass Influenza-Infektionen nicht ungefährlich sind. Nach WHO-Schätzungen beläuft sich die jährliche Zahl der Opfer weltweit durch eine Influenza auf ein Viertel bis eine halbe Million Menschen. In Deutschland gab es in der letztjährigen Saison allein 334.000 labordiagnostisch bestätigte Fälle. Die mit statistischen Verfahren geschätzte Mortalität schwankt erheblich zwischen den Jahren. Sie lag zum Beispiel bei 22.900 in der Saison 2016/2017. Auch wenn ein Grippepatient nicht in eine Klinik eingeliefert wird, kann er in der Folge so schwere Komplikationen wie einen Myokardinfarkt oder einen Schlaganfall entwickeln [3].
  • Asymptomatisch: Die Influenza kann auch atypische Symptome aufweisen, was vor allem betagte Patienten betrifft. So bleiben diese oft ohne Fieber, was wahrscheinlich auf altersbedingte immunologische Veränderungen zurückzuführen ist. Auch bei gesunden Erwachsenen kann eine Grippe-Infektion asymptomatisch verlaufen oder mit nur leichten Symptomen wie Rhinorrhoe oder leichtem Husten verbunden sein.
  • Risiko für Kinder: Auch bei jungen Patienten kann die Grippe einen schweren Verlauf nehmen, was durch eine durchschnittliche jährliche Krankenhaus-Aufenthaltsrate von 0,9 pro 1.000 infizierte Kinder, etwa 50 bis 95 ambulante Klinikkontakte und 6 bis 27 Notaufnahmebesuche pro 1.000 Kinder belegt wird [4].

Irrtum 2:
Eine Grippe ist nur ansteckend, wenn die infizierte Person symptomatisch ist.

Die Grippe wird in erster Linie von Mensch zu Mensch übertragen. Die Viren verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder auch beim Sprechen. Die Tröpfchen können dann eingeatmet werden und auf die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen gelange.

  • Auf Schmierinfektion hinweisen: Vielen Patienten ist nicht klar, dass nicht nur durch ein direktes Anhusten oder Niesen ein Virus einen neuen Wirt findet. Häufig erfolgt die Infektion nach Berührung keimbehafteter Gegenstände oder Schleimhäute über die Hände und Finger, etwa wenn man sich die Augen reibt.
  • Ansteckung durch „Gesunde“: Obwohl eine Übertragung am wahrscheinlichsten ist, wenn die infizierte Person Symptome zeigt, spricht eine Reihe von Daten dafür, dass die Ausbreitung über asymptomatische Personen eine Rolle bei der Verbreitung der Grippe spielt. Das Influenza-Virus ist in den oberen Atemwegen und im Nasopharynx von infizierten Personen bereits mehrere Tage vor dem Ausbruch der Symptome nachweisbar.
  • In einer Studie aus Hongkong wurde zwischen 2008 und 2014 eine Kohorte aus 824 Haushalten verfolgt. Die Untersucher identifizierten dabei 224 Fälle von Influenza, mit der sich Patienten zu Hause angesteckt haben, und erkundete den Zusammenhang zwischen Symptomen und Virus-Ausscheidung (anhand von Nasen- und Rachenabstrichen). Die Virusabgabe von asymptomatischen Trägern variierte je nach Grippestamm. Bei Influenza-A-infizierten Personen wurde bereits vor Beginn der Atemwegsbeschwerden eine Virus-Ausscheidung festgestellt, die ihren Höhepunkt jedoch in den ersten 2 Tagen der klinischen Erkrankung erreichte. Bei der Influenza B hatte die Virusausscheidung bis zu 2 Tage vor Beginn der Symptome ihren Peak. Dies belegt eine mögliche Übertragung des Influenzavirus bereits in der präsymptomatischen Erkrankungsphase.
  • Leichte Symptome ernst nehmen: Die Influenza ist im Nasopharynx asymptomatischer Personen eindeutig nachweisbar, doch es gibt Diskussionen darüber, wie stark die Virusausscheidung und damit die Übertragungsgefahr dadurch ist (siehe oben). In der Praxis sollte man daher lieber davon ausgehen, dass spätestens bei leichten Symptomen, etwa einer Rhinorrhoe, ein Patient bereits das Virus – unwissentlich – verbreiten kann. So kann etwa eine asymptomatische Person mit nachweisbarem Virus in den oberen Atemwege das Virus unwissentlich auf andere übertragen.
  • Großzügige Krankschreibungen: Ärzte plädieren in der Regel dafür, dass eine infizierte Person mit einsetzender Symptomatik den Kontakt zu Personen aus Hochrisikogruppen meiden sollte, indem sie der Arbeit fern und zuhause bleibt. Doch setzt sich dies einfach nicht durch. Die Daten zeigen immer wieder, dass selbst Menschen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, mit einer klassischen grippeähnlichen fieberhaften Erkrankung (d.h. einer weitaus schwereren Erkrankung als einer leichten oberen Atemwegssymptomatik) typischerweise weiterarbeiten [6,7,8,9]. Es ist unrealistisch zu erwarten, dass Menschen mit leichten Atemwegssymptomen der Arbeit fernbleiben und das Haus nicht verlassen.

Irrtum 3: Ich hatte noch nie die Grippe, also brauche ich auch keinen Grippeschutz.
Dieses häufige Argument gegen eine Grippeimpfung existiert in unterschiedlicher Form: „Ich ernähre mich gesund“, „Ich treibe regelmäßig Sport“, „Ich wasche mir oft die Hände“, „Ich lasse mich nie impfen und war noch nie grippekrank“. Dies sollten Sie Ihren Patienten darauf antworten:

  • Nie „nie“ sagen: Nur weil jemand noch nie eine Grippe hatte, bedeutet das nicht, dass er sich in Zukunft nicht anstecken kann. Selbst gesunde Menschen, ohne Grunderkrankungen, können sich mit dem Grippevirus infizieren und schwer erkranken, wie die Morbiditätsraten während der H1N1-Grippe-A-Pandemie im Jahr 2009 zeigten.
  • Sicherheitsgedanken fördern: Der Sinn einer Grippeimpfung lässt sich unter anderem mit folgender Analogie erklären: Die meisten Menschen, die im Auto keine Sicherheitsgurte anlegen, hatten noch nie einen Autounfall. Trotzdem bezweifelt niemand, dass es besser ist, Sicherheitsgurte anzulegen, um das Risiko von Verletzungen und Tod im Falle eines Unfalls zu verringern.
  • Empfehlen statt Fragen: Die Akzeptanz des Grippeimpfstoffs hängt auch davon ab, in welcher Form Ärzte mit ihren Patienten über eine jährliche Grippeimpfung diskutieren. Oft werden Patienten gefragt: „Möchten Sie eine Grippeschutzimpfung?“ Man vergleiche dies mit der Diskussion über andere wichtige Medikamente. Man fragt Diabetespatienten auch nicht, ob sie Insulin einnehmen möchten, sondern empfiehlt Insulin als wichtige medizinische Behandlung. Ebenso sollten wir die Patienten nicht fragen, ob sie den Grippeimpfstoff wollen, sondern die jährliche Grippeimpfung dringend empfehlen.

Irrtum 4: Man kann eine Grippe nicht verhindern.
Die Wahrscheinlichkeit einer Grippeinfektion lässt sich durch viele Maßnahmen verringern:

  • Handhygiene, richtige „Hustenetikette“, Atemwegshygiene und die Meidung kranker Personen, sind sehr wichtige Vorsichtsmaßnahmen.
  • Die Impfung ist ein weiteres wichtiges Instrument zur Prävention der Grippe. Das Schutzniveau des jährlichen Impfstoffs schwankt und wird u.a. von Faktoren wie dem aktuell zirkulierenden Stamm, der Impf-Vorgeschichte des Empfängers und seinem Immunstatus beeinflusst. Im Durchschnitt erreicht der Impfstoff bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 65 Jahren eine Effektivität von 59% und bei älteren Patienten von 20% bis 44% [10,11]. Daher ist der Schutz nicht vollkommen, doch die Impfung verhindert immer noch in hoher Zahl Krankheitsfälle und Krankenhausaufenthalte.
  • Antivirale Medikamente wie Oseltamivir und Zanamivir (zur Inhalation) können auch zur Chemoprophylaxe eingesetzt werden. Rimantadin und Amantadin werden heute nicht mehr empfohlen, da sich bei vielen zirkulierenden Grippestämmen eine Resistenz gegen diese Substanzen entwickelt hat.
  • Für Senioren: Am häufigsten kommen antivirale Wirkstoffe in Alten- und Pflegeheimen zum Einsatz, wenn eine Weiterverbreitung nach der Identifizierung eines Influenzafalles verhindert werden soll.
  • Dieser Ansatz kann auch in Familien verfolgt werden, vor allem wenn Familienmitglieder mit hohem Risiko Gefahr laufen, sich anzustecken.

Zusammengefasst

  • Die Grippe kann sich zu einer schweren und lebensbedrohlichen Krankheit entwickeln. Es kann jeden betreffen, doch sind Personen mit Vorerkrankungen, Schwangere, kleine Kinder und alte Menschen in besonderem Maß gefährdet.
  • Die Grippe ist leicht übertragbar.
  • Die Übertragung kann bereits vor einem Ausbruch der Symptomatik beginnen.
  • Infizierte Personen können zudem atypische Symptome oder auch gar keine Symptome aufweisen.
  • Antivirale Wirkstoffe und Impfungen sind wichtige, aber unvollkommene Präventionsmethoden und sollten mit den basalen Maßnahmen zur Infektionsprävention kombiniert werden, um eine Ausbreitung dieser oft gefährlichen Erkrankung weitestmöglich zu verhindern.

Referenzen:

  1. Centers for Disease Control and Prevention. 1976-2007. MMWR Morb Mortal Wkly Rep. 2010;59:1057-1062.
  2. Thompson WW, et al: JAMA. 2004;292:1333-1340.
  3. Smeeth L, et al: N Engl J Med. 2004;351:2611-2618.
  4. Poehling KA, et al: N Engl J Med. 2006;355:31-40.
  5. Ip DK, et al: Clin Infect Dis. 2016;62:431-437.
  6. Jena AB, et al: Arch Intern Med. 2012;172:1107-1108.
  7. Widera E, et al: Journal of general internal medicine. 2010;25:1244-1247.
  8. Jena AB, et al: JAMA. 2010;304:1166-1168.
  9. Ng TC, et al: Infect Control Hosp Epidemiol. 2009;30:292-295.
  10. Osterholm MT, et al: Lancet Infect Dis. 2012;12:36-44.
  11. Darvishian M, et al: Lancet Respir Med. 28. Feburar 2017 (online)

Auf dem Prüfstand: Metamizol

Liebe Leserinnen und Leser,

anbei sende ich Ihnen eine kurze Information zu dem bekannten Schmerzmittel Metamizol.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und schicke Ihnen herzliche Grüße.

Ihr Harald Keifert

Die Überprüfung von Schmerzmitteln, die Metamizol enthalten, hat der CHMP (Committee for Medicinal Products for Human Use) mittlerweile abgeschlossen. Der Ausschuss empfiehlt, dass die Tageshöchstdosis und die Kontraindikationen bei schwangeren oder stillenden Frauen für alle Produkte auf dem europäischen Markt vereinheitlicht werden sollten. Die Vorschläge des CHMP umfassen eine maximale orale Einzeldosis von 1.000 mg, die bis zu 4-mal am Tag genommen werden kann, sprich eine Tageshöchstdosis von 4.000 mg bei Patienten ab 15 Jahren. Die Behandlung sollte bei der kleinsten empfohlenen Dosis starten und nur bei Bedarf erhöht werden. Bei Injektion des Schmerzmittels soll die Tagesdosis 5.000 mg nicht überschreiten. Bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren sollte die Dosierung abhängig vom Körpergewicht erfolgen. Einige Produkte auf dem Markt sind deshalb aufgrund ihrer Wirkstärke für jüngere Patienten nicht geeignet. Zu den Effekten von Metamizol in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es wenig Evidenz, es fand sich aber auch kaum etwas, das auf Probleme in der frühen Schwangerschaft hindeuten würde. Einzeldosen in den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft sind wahrscheinlich vertretbar, falls andere Analgetika nicht in Frage kommen, so das Fazit des CHMP. Anders sieht es in den letzten 3 Schwangerschaftsmonaten aus, hier kann es eventuell zu Effekten auf Nieren und Durchblutung des Fötus kommen. In diesem Zeitraum sollte Metamizol nicht angewendet werden. Und vorsichtshalber sollten auch stillende Mütter Metamizol nicht einnehmen, da das Medikament über die Muttermilch auch vom Kind aufgenommen wird.

Quelle: Medscape 14.12.18

In welchen Situationen sich Prävention wirklich lohnt!

Liebe Leserinnen und Leser,

heute einmal wieder ein interessanter Artikel zu „Bewegung und Ernährung“, den ich in einem ähnlichen Kontext und in einer etwas anderen Form schon einmal gepostet habe. Es ist verrückt: natürlich habe ich verstanden, dass wir aus vielen Zwängen der fortschreitenden Zivilisation, Weiterentwicklung und Globalisierung nicht „herauskommen“ und das natürlich auch mit sehr vielen Vorteilen und spannenden Herausforderungen im Zusammenhang steht, die ich gerne nutze beziehungsweise annehme. Dennoch sollten wir im Kontext von Ernährung und Bewegung nicht vergessen, dass wir all das, was früher täglicher Anteil unseres Lebens war – sich bei der Arbeit zu bewegen und sich von dem zu ernähren, was uns die Natur zur Verfügung steht – weitestgehend weggefallen ist! Heute müssen wir uns nicht mehr bewegen, nehmen das dankend an und ernähren uns überwiegend von Dingen, die nicht natürlich sind, sondern die wir oftmals nahezu vollständig technisch produziert haben – damit meine ich nicht nur Süßigkeiten! Und dadurch erzeugen wir gleichzeitig (neben Müll) eine Unmenge an Erkrankungen, die vollkommen neu sind (spezielle Allergien) und weitere, die es sonst gar nicht geben würde – zumindest nicht in diesen steigenden Zahlen! Und noch verrückter ist, dass sich Einige beim Lesen dir Zeilen wundern und vielleicht sagen: wie abgedreht ist der Typ eigentlich? Was schreibt er hier eigentlich? Das ist doch fern jeder Realität und in der modernen Welt nicht umsetzbar. Ich versichere, dass ich völlig normal bin – okay, das sagen auch die meisten, bei denen es definitiv nicht der Fall ist . . . ich stelle mir nur einige Fragen und lege ein paar Grundsätze für mich fest, und versuche, wenigstens einen Teil davon umzusetzen . . . dazu gehören die Folgenden:

  1. 10.000 Schritte am Tag sind eine coole Challenge
  2. Obst anstatt Süßigkeiten
  3. Fleisch, Käse und Milch gehören nicht zu den gesunden Nahrungsmitteln.
  4. Vegan zu leben ist eine interessante Herausforderung: man muss sich wieder um seine Nahrung kümmern und bewusst auswählen (wie früher, als man sie noch jagen oder suchen musste), weil sie in Deutschland nicht alle drei Meter angeboten wird . . . vor allem dann nicht, wenn man beruflich viel unterwegs ist. Ich bin übrigens weder untergewichtig, noch habe ich Mangelerscheinungen.
  5. . . . und viele mehr!

Jetzt zu den Fakten, die ich einem aktuellen Artikel aus Medscape Medicine entnommen habe . . .

Ihnen Allen alles Gute und bis zum nächsten Mal.

Ihr Harald Keifert

Erstmals Zahlen für Deutschland: Mindestens jeder 3. Krebs wäre vermeidbar – DKFZ-Forscher raten, wo Prävention lohnt!

Michael van den Heuvel, September 2018

Mindestens 37% aller Krebsfälle stehen in Deutschland mit vermeidbaren Risikofaktoren in Verbindung. Ohne Rauchen, Übergewicht, Ernährungsfehler und Infektionserkrankungen wären 165.000 Neuerkrankungen pro Jahr vermeidbar. Das berichten Dr. Ute Mons und Prof. Dr. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Pressemitteilung und in 3 Berichten im Deutschen Ärzteblatt. Vom Gesetzgeber fordern sie bessere Präventionsstrategien. „Diese Zahlen, die nun erstmals auch für Deutschland vorliegen, liefern eine wichtige Grundlage für die Präventionsforschung“, kommentiert Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. „Wir könnten weit über ein Drittel aller Krebsneuerkrankungen vermeiden, würden wir das Potenzial der Krebsprävention voll ausschöpfen.“ Damit könne man nicht nur Zehntausenden das Leben retten, sondern deutlich mehr Menschen das Schicksal einer schweren Erkrankung ersparen.

Wie Medscape berichtet hat, bringen Forscher in den USA 4 von 10 Krebserkrankungen mit Lebensstil-Faktoren in Verbindung. Dazu zählen vor allem Rauchen, Alkohol und Übergewicht. Erstmals zeigen Mons und Brenner mit ihren Kollegen nun die Trends für Deutschland auf. Sie arbeiten mit nationalen Krebsinzidenzdaten, Expositionsdaten und gesicherten relativen Krebsrisiken. Auf Basis dieser Daten simulieren sie, wie viele aller in 2018 zu erwartenden 440.000 Krebsfälle bei Personen zwischen 35 und 84 Jahren auf den Lebensstil oder auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind.

Lebensstil-Faktoren: Tabak, Alkohol und Ernährung

  • Die Wissenschaftler bringen 85.072 Krebserkrankungen mit dem Tabakkonsum in Verbindung. Das entspricht 19% aller neuen Fälle. 89% aller Lungenkrebsfälle bei Männern und 83% bei Frauen lassen sich damit erklären [1].
  • Hoher Alkoholkonsum führt bei 9.588 Patienten zu Krebs, das sind 2% aller Neuerkrankungen. Hier haben vor allem Tumore der Mundhöhle und des Rachens (34% bei Männern und 6% bei Frauen) sowie Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre (30% bei Männern und 5% bei Frauen) Bedeutung.
  • Weitere 30.567 Krebsfälle (7%) werden mit Übergewicht,
  • 27.081 (6%) mit wenig Bewegung,
  • 14.474 (3%) mit einer zu niedrigen Ballaststoffzufuhr,
  • 9.447 (2%) mit wenig Obst und Gemüse,
  • 9.454 (2%) mit hohem Wurstkonsum,
  • 1.687 (0,4%) mit rotem Fleisch
  • und 1.204 (0,3%) mit zu viel Kochsalz in Zusammenhang gebracht.

Übergewicht bewerten Mons und Brenner als Hauptrisikofaktor für Gebärmutter-, Nieren- und Leberkrebs (24 bis 35%), während geringe körperliche Aktivität vor allem zu Gebärmutter-, Nieren- und Lungenkrebs (15 bis 19%) führe. Unterschiedliche Ernährungsfaktoren gelten bei Darm-, Lungen- und Brustkrebs (9 bis 16%) als ursächlich [2].

Infektionen und Umweltnoxen

Von allen in 2018 zu erwartenden Krebsneuerkrankungen werden mindestens 5% durch vermeidbare Infektionskrankheiten oder Umweltfaktoren ausgelöst [3].

17.600 Krebsfälle gehen auf das Konto diverser Infektionen. Das entspricht 4,0% aller Neuerkrankungen. An der Spitze stehen Helicobacter pylori (8.764 Fälle) und humane Papillomaviren (7.669 Fälle). Für Hepatitis B, Hepatitis C und für das humane Immundefizienz-Virus (HIV) kommen die Forscher auf 983, 144 Fälle beziehungsweise auf 116 Fälle.

„Mit diesen Schätzungen wollen wir der Gesundheitspolitik, aber auch Ärzten … Anhaltspunkte dafür liefern, wie das große ungenutzte Potenzial der Krebsprävention effizienter genutzt werden könnte.“, sagt Prof. Dr. Hermann Brenner.

Weitere 5.400 Krebsfälle (1,2% aller Krebsneuerkrankungen) werden mit Umweltnoxen erklärt. Mons und Brenner nennen Radon in Innenräumen (3.185 Fälle), Feinstaub (1.049 Fälle), UV-Strahlung aus Solarien (892 Fälle) und Passivrauchen (309 Fälle).

Offene Fragen

Möglicherweise sei der Anteil von 37% bezogen auf vermeidbare Krebserkrankungen noch etwas zu niedrig, schreiben die Autoren. Sie nennen mehrere Schwachstellen ihrer Forschungsarbeit: Nicht immer gelte der Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und Krebserkrankungen als gesichert. Außerdem fehlten Daten zu einzelnen Themen, etwa zur UV-Exposition über Sonnenlicht. „Berücksichtigen wir zusätzlich noch das Potenzial von Früherkennungsmaßnahmen, etwa der Darmspiegelung, so liegt der Anteil vermeidbarer Krebserkrankungen noch weitaus höher, schätzungsweise bei mindestens 50 Prozent“, so Brenner.

Die Zeit ist reif für neue Präventionsstrategien

Brenner ergänzt: „Mit diesen Schätzungen wollen wir der Gesundheitspolitik, aber auch Ärzten und anderen Mitarbeitern des Gesundheitswesens Anhaltspunkte dafür liefern, wie das große ungenutzte Potenzial der Krebsprävention effizienter genutzt werden könnte.“

Ein Beispiel: Tabakkonsum erklärt laut Simulation 19% aller Krebsfälle in Deutschland, aber nur 15% in Großbritannien. Mons: „Hier wird sichtbar, dass Deutschland bei der Umsetzung einer wirksamen Tabakpräventionspolitik europaweit zu den Schlusslichtern zählt.“ In Ländern mit konsequenter Tabakprävention fordere das Rauchen inzwischen weit weniger Krebsopfer.

„Deutschland zählt bei der Umsetzung einer wirksamen Tabakpräventionspolitik europaweit zu den Schlusslichtern.“, sagt Dr. Ute Mons.

Auch bei den Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel sehen die Forscher Handlungsbedarf. Oft wird der Grundstein schon in jungen Jahren gelegt. „Einen Erfolg von Präventionsmaßnahmen werden wir erst nach vielen Jahren sehen“, weiß Baumann. Doch Fortschritte in der Krebstherapie hätten ihren Preis. „Langfristig wird sich Vorbeugen auszahlen, auch gesundheitsökonomisch“, ist sich der Experte sicher.

Hilfreiche Tipps liefert eine neue Broschüre des Krebsinformationsdienstes „Was kann ich tun? Gegen Krebs!“. Sie gibt aktuelle und wissenschaftlich belegte Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil und zeigt Möglichkeiten zur Vorbeugung auf. Grundlage der Broschüre sind der Europäische Kodex zur Krebsbekämpfung und die Empfehlungen von Fachgesellschaften. Die Broschüre ist online erhältlich oder kann mithilfe eines Online-Formulars oder per E-Mail (sekretariat-kid@dkfz.de) bestellt werden.

  1. Mons U, et al: Dtsch Arztebl Int 2018; 111(35-36):571-577
  2. Behrens G, et al: Dtsch Arztebl Int 2018; 111(35-36):578-585
  3. Gredner T, et al: Dtsch Arztebl Int 2018; 111(35-36):586-593

 

 

Mit dem Grad der Verarbeitung von Lebensmitteln steigt das Risiko für Krebserkrankungen!

Werte Kolleginnen und Kollegen,

heute habe ich wieder einmal einen Artikel außerhalb der Intensivmedizin und auch außerhalb der Pneumologie für Sie! Das Thema Ernährung ist allerdings wiederum doch nicht so weit von der Intensivmedizin entfernt, wenn man bedenkt, wie lückenhaft unser Wissen zu diesem Thema ist und wie wenig Berücksichtigung die individuelle Ernährung unserer Patienten auf der Intensivstation erfährt. Genau genommen gilt dies für jeden Aufenthalt im Krankenhaus: über ein vegetarisches Menü, das zumeist weit davon entfernt ist gesund zu sein, kommen wir in der Regel nicht hinaus. Wenn Sie als ein Patient, der sich wirklich in allen Belangen gesund ernährt, im Krankenhaus behandelt werden müssen, wird das zur Verfügung gestellte Angebot weit von einer gesunden Ernährung entfernt sein – ähnlich weit wie das Verständnis der meisten Ärzte und Pflegekräfte für diese Patienten und ihre Wünsche sich gesund zu ernähren! Aus diesem Grund, aber auch aus ganz persönlichen Beweggründen, empfinde ich den hier aufgeführten Artikel von Ute Eppinger in Medscape vom 22.02.18 als interessant!

Die aktuell im British Medical Journal erschienene Kohortenstudie NutriNet-Santé liefert Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von stark verarbeiteter Nahrung und der Entstehung von Brust-, Prostata- und Darmkrebs [1]. Dr. Thibault Fiolet vom Epidemiology and Statistics Research Center der Sorbonne in Paris und seine Kollegen haben 104.980 gesunde französische Erwachsene auf ihre Ernährungsgewohnheiten hin untersucht. Sie fanden heraus, dass eine 10%-ige Erhöhung des Anteils von stark verarbeiteten Lebensmitteln in der Nahrung das generelle Krebsrisiko um 12% und das Brustkrebsrisiko um 11% erhöht. Für Prostata- und Dickdarmkrebs wurden keine signifikanten Assoziationen gefunden.

„Die Arbeit von Fiolet et al. ist gut gemacht, und die Ergebnisse geben wirklich zu denken“, kommentiert Dr . Tilman Kühn die Studienergebnisse. Kühn ist Leiter der Arbeitsgruppe Ernährungsepidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Er gibt aber zu bedenken, dass eine Kausalität zwischen stark- und ultra-verarbeiteten Lebensmitteln und Krebs damit noch nicht bewiesen ist, denn schließlich handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, bei der sich Störfaktoren nicht ausschließen lassen.

Fiolet und seine Kollegen ließen Probanden (22% Männer, 78% Frauen, medianes Alter 43 Jahre) mindestens zwei 24-Stunden-Online-Fragebögen zur Ernährung ausfüllen. Die Bögen gaben Auskunft über die Aufnahme von 3.300 verschiedenen Nahrungsmitteln. Sie teilten die Aufnahme von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln – je nach Anteil an der Ernährung – in 4 Gruppen ein. Die Lebensmittel wurden nach dem Grad der industriellen Verarbeitung gruppiert, Krebsfälle wurden anhand von Erklärungen der Teilnehmer identifiziert, und durch medizinische Aufzeichnungen und nationale Datenbanken über einen Zeitraum von durchschnittlich 5 Jahren validiert. Bekannte Risikofaktoren für Krebs – wie Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, familiäre Vorgeschichte von Krebs, Raucherstatus und körperliche Aktivität – wurden berücksichtigt.

Zu den stark verarbeiteten Lebensmitteln zählten verpackte Backwaren und Snacks, kohlensäurehaltige Getränke, zuckerhaltige Getreideprodukte, Fertiggerichte und zusammengesetzte Fleischprodukte – oft mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt, aber ohne Vitamine und Ballaststoffe. Die Studienautoren nehmen an, dass diese Lebensmittel bis zu 50% der gesamten täglichen Energiezufuhr in vielen Industrieländern ausmachen.

Assoziationen mit Brustkrebsrisiko

Die Aufnahme von stark verarbeiteter Nahrung war mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden: Die Hazard Ratio (HR) lag bei einer um 10% erhöhten Aufnahme von hochverarbeiteten Lebensmitteln in der Ernährung bei 1,12 (95%-Konfidenzintervall: 1,06-1,18; p < 0,001). Für Brustkrebs lag die HR bei 1,11 (95%-KI:1,02-1,22; p = 0,02).

Vor allem stark verarbeitete Fette und Saucen (p = 0,002) sowie zuckerhaltige Produkte (p = 0,03) und Getränke (p = 0,005) waren mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert. Bei erhöhtem Brustkrebsrisiko lag eine Assoziation mit stark verarbeiteten zuckerhaltigen Produkten vor (p = 0,006).

„Weitere Tests ergaben keinen signifikanten Zusammenhang zwischen weniger verarbeiteten Lebensmitteln (wie Gemüsekonserven, Käse und frisch gebackenes unverpacktes Brot) und dem Krebsrisiko“, schreiben die Studienautoren. Hingegen sei der Verzehr von frischen oder minimal verarbeiteten Lebensmitteln (Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Eier, Fleisch, Fisch und Milch) mit einem geringeren Risiko für Krebs und Brustkrebs verbunden gewesen.

Mehr frische Lebensmittel

Fiolet und Kollegen betonen, dass weitere Arbeiten erforderlich sind, um die Auswirkungen der verschiedenen Verarbeitungsstufen besser zu verstehen. Sie schlagen aber schon jetzt vor,

  • die Rezepturen von Produkten zu überdenken,
  • Produkte entsprechend zu kennzeichnen,
  • sie anders zu besteuern und
  • auch über Vermarktungsbeschränkungen für stark verarbeitete Produkte nachzudenken.

Gleichzeitig könnte die Förderung frischer oder minimal verarbeiteter Lebensmittel zur Krebsprävention beitragen.

„Unseres Wissens nach ist unsere Studie die erste, die eine Erhöhung des Risikos von Brustkrebs im Zusammenhang mit stark verarbeiteter Nahrung untersucht und hervorhebt“, schreiben Fiolet und seine Kollegen. Sie fügen hinzu: „Zwar sind weitere Untersuchungen notwendig, aber die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der rapide steigende Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln in den nächsten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Krebsbelastung führen kann.“

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich keine eindeutigen Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung ziehen – darauf verweisen auch die Studienautoren.

Bessere Kennzeichnung von Nahrungsmitteln?

Kühns Einschätzung nach haben Fiolet und seine Kollegen auf die bestmögliche Art und Weise versucht, den Einfluss von Confoundern so weit wie möglich zu verringern: „Die Analysen wurden in den Subgruppen wiederholt – beispielsweise in der Gruppe der Nichtraucher und in der Gruppe der normalgewichtigen, schlanken Studienteilnehmer. Und in all den Subgruppen zeigte sich dieser Zusammenhang zwischen der Aufnahme stark verarbeiteter Nahrung und erhöhtem Krebsrisiko. Das ist sehr sauber gearbeitet und überzeugend“, betont Kühn.

Das Neue an der Arbeit von Fiolet und seinen Kollegen sei: „Die französische Studie bildet die gegenwärtigen Ernährungsgewohnheiten gut ab. Und die enthalten reichlich hoch- und ultra-verarbeitete Produkte“, erklärt Kühn. Er sieht die Studie im Zusammenhang mit dem Vorhaben Frankreichs, die Inhalts- und Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln generell besser zu kennzeichnen. „Es ist wünschenswert, dass das auch in anderen Ländern passiert und dass noch mehr solcher Studien gemacht werden.“

Welche Stoffe für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich sind, steht noch nicht fest.

Im begleitenden Editorial schreiben Dr. Martin Lajous und Dr. Adriana Monge vom National Institute of Public Health in Mexiko, dass die Studie „einen ersten Einblick in eine mögliche Verbindung zwischen stark verarbeiteten Lebensmitteln und Krebs bietet“ [2]. Sie fahren fort: „Wir sind aber noch weit davon entfernt, die vollen Auswirkungen der Lebensmittelverarbeitung auf Gesundheit und Wohlbefinden zu verstehen.“

Die Editorialisten kommen zu dem Schluss: „Die Stärken und Grenzen dieser neuesten Analyse sollten der Öffentlichkeit vermittelt und das Verständnis für die Komplexität der Ernährungsforschung sollte geweckt werden.“

Auch Kühn betont, dass es noch zu früh ist, um aus den Ergebnissen konkrete Empfehlungen für die Praxis abzuleiten. Dazu sollten weitere Studien und konsistente Befunde vorliegen.

Noch ein Stück weit offen bleibt auch, welche Stoffe genau für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich sind „Die Autoren schreiben selbst, dass das noch nicht geklärt ist und noch besser in Tiermodellen erforscht werden muss.“ Diskutiert würden beispielsweise Titan-Dioxid- und Nano-Partikel. Sollte sich ein kausaler Zusammenhang herstellen lassen, hätte dieser wohl auch Einfluss auf die Zulassung dieser Stoffe zur Verarbeitung von Nahrungsmitteln.

„Durch die Studie kommt aber eine Diskussion ins Rollen, das ist begrüßenswert“, schließt Kühn.

Und genau das denke ich auch! Und ich denke, dass jeder, auch ohne weitere wissenschaftliche Untersuchungen, für sich selbst sehr gut ableiten kann, wie diese Erkenntnisse seine eigenen Ernährungsgewohnheiten beeinflussen sollen!

Mit kollegialen Grüßen

Ihr Harald Keifert

REFERENZEN:

1. Fiolet T, et al: BMJ (online) 14. Februar 2018

2. Monge A, et al: BMJ (online) 14. Februar 2018