Man kann nicht nicht kommunizieren – oder doch?

ein Beitrag von Mag. Volker Hermanspann (Fa. WK-Fortbildungen)

Ein Satz, den Sie bestimmt kennen: Man kann nicht nicht kommunizieren. Auch wenn man schweigt, keine Antwort gibt, sich abwendet – all das sind eindeutige und in der Regel vom Kommunikationspartner auch klar verstandene Kommunikationssignale.

Was aber sind die Dinge, die man bei der Kommunikation beachten soll? Früher war das einfach: Jemand, der was zu sagen hatte, sagte was, und der andere, der in der Regel nicht so viel zu sagen hatte, hörte zu und tat, was ihm gesagt worden war. Die Kommunikation verlief von oben nach unten. Aber das ist nicht mehr die Kommunikation unserer Zeit – die Kommunikation einer demokratischen Gesellschaft. Heute verläuft Kommunikation in der Regel horizontal: Sprecher/Hörer und Hörer/Sprecher befinden sich quasi auf einer Ebene. Wenn eine Kommunikation vertikal, also von oben nach unten, verläuft, dann fühlen wir uns nicht wohl dabei. Es sei denn, wir sind Mitglieder eines Chors oder eines Orchesters; da sind wir durchaus glücklich, dass einer uns sagt, was wir genau zu tun haben. Auch bei einem Einsatz der örtlichen Feuerwehr ist eine klare Befehlsstruktur angebracht. Und man kann sich das Gelingen einer klinischen Operation wohl schlecht vorstellen, wenn sich nicht alle daran Beteiligten darauf einigen, dass einer im Team das Sagen hat. Es gibt also durchaus sinnvolle Beispiele für eine vertikale, also asymmetrische Kommunikationsstruktur. Aber das sind die Ausnahmen. Wer in einer entwickelten Gesellschaft lebt, die den Gedanken der Würde jedes einzelnen Menschen ernst nimmt, muss ein Interesse an symmetrisch geführten Kommunikationen haben.

Wichtig:
Eine symmetrische Kommunikation, also eine auf Augenhöhe, zu führen ist deutlich komplizierter als eine vertikale. Sie setzt voraus, dass beide Gesprächspartner sich an Regeln halten, die nicht nur darin bestehen, dass man den anderen ausreden lässt, sondern zunächst einmal viel mit der Einstellung zum anderen zu tun haben.

Innere und äußere Haltung
Und das ist das erste, über das ich mir Klarheit verschaffen muss: Wie sehe ich mein Gegenüber, was halte ich von ihm oder ihr? Ja, noch viel grundsätzlicher: Was denke ich überhaupt über andere Menschen? Ich muss also bei meiner Einstellung beginnen.

Ein anderes Wort für Einstellung ist Haltung. Und dieses Wort hat ja im Deutschen zwei Bedeutungen: Zum einen bezeichnet es meine äußere Haltung („Halt dich gerade!“). Aber, noch viel wichtiger, es bezeichnet zum anderen die Haltung, die ich zu einer Aufgabe oder einer anderen Person habe. Es behandelt also meine Einstellung: Wie stehe ich zu dieser Sache oder dieser Person? Es ist klar, dass die äußere Haltung etwas mit der inneren zu tun hat. Wenn ich mich unsicher fühle, ängstlich bin, dann gehe ich mit einer anderen Einstellung in ein Gespräch, als wenn ich meiner Sache sicher bin. Aber eben auch in einer anderen Körperhaltung. Und wenn wir das jetzt in Beziehung setzen, dann ändert nicht nur eine Veränderung meiner Einstellung zum Gesprächspartner meine körperliche Haltung. Sondern ich kann tatsächlich über meine körperliche Haltung Einfluss nehmen auf den Gesprächsverlauf. Wenn ich körperlich aufrecht und entspannt in das Gespräch gehe, habe ich mit Sicherheit einen besseren Gesprächsbeginn, als wenn ich dem anderen mit angespannter Miene und mit in Abwehrstellung vorgeschobenem Kopf gegenübertrete.

Wichtig:
Der Beginn einer Kommunikation aber ist für deren Verlauf sehr wichtig, manchmal sogar entscheidend. Das heißt: Meine Haltung beeinflusst meine Haltung. (Sie müssen jetzt selbst entscheiden, in welcher Richtung Sie diesen Satz lesen wollen. Er stimmt in jedem Fall.) Und deshalb ist es wichtig, sich zunächst die Frage zu beantworten: Wie sehe ich meinen Gesprächspartner, was halte ich von ihm oder von ihr?

Mimik
Übrigens: Was über die Körperhaltung gesagt wurde, gilt auch für die Mimik: So deutlich unsere Gefühle sich in unserem Gesichtsausdruck spiegeln, so klar können wir auch über bewusst eingesetzte Mimik Einfluss auf unsere Gefühle nehmen. Und so empfiehlt es sich selbstverständlich, in ein Gespräch immer mit entspannten Gesichtszügen zu gehen. Denn, wie schon gesagt: Der Anfang eines Gespräches ist wichtig für den Verlauf.

Kopfkino
Es sind nicht nur die körperlichen Merkmale, mit denen ich bewusst umgehen kann. Genauso wichtig,
vielleicht sogar noch viel wichtiger, sind die Dinge, die mir während eines Gespräches durch den Kopf gehen. Schon vorher tauchen bei mir Gedanken auf: „Mein Gott, wie der schon aussieht!“, „Wie die schon da sitzt!“ u. ä.; aber so richtiges Kopfkino wird während des Gespräches eingeblendet: „Typisch Frau“, „Typisch Mann“, „Typisch Arzt“, „Typisch Pflegekraft“, „Das weiß ich doch schon alles“, „Der nervt“ und so weiter und so weiter. Von diesen Gedanken ist niemand frei, und sie beeinflussen natürlich stark das, was wir vom anderen aufnehmen, hören – und vor allem, wie wir es aufnehmen. Und es sind gute Gedanken und böse Gedanken, freundliche und unfreundliche, passende und manchmal sehr unpassende, die uns da immer wieder durch den Kopf gehen.

Ausblenden kann man dieses Gespräch im Kopf nicht. Gedanken kommen, wann sie wollen. Was Sie allerdings tun können, ist, sich bewusst zu machen, dass da ein Gespräch im Kopf stattfindet. Dass Sie schon wieder meinen, genau zu wissen, was der andere gerade denkt und was er eigentlich, in Wirklichkeit, sagen will. Nur wenn ich mir dieses Gesprächs in meinem Kopf bewusst mache, dann kann es verschwinden. Oder es hat zumindest nicht mehr die Macht über mich oder meine Kommunikation. Martin Luther hat das einmal in dem wunderbaren Satz gesagt: „Ja, die bösen Gedanken! Wir können nicht hindern, dass die Vögel über uns hinfliegen, aber wir können hindern, dass sie auf unseren Köpfen Nester bauen.“

Praxistipp:
Das ist es also, was wir bei uns selbst immer beachten sollten: dass wir in möglichst entspannter Haltung in das Gespräch gehen, uns körperlich in eine gute Verfassung bringen und dass wir versuchen, die Gedanken in unserem Kopf, nein, nicht zu steuern, das geht nicht, sondern sie wahrzunehmen und dadurch quasi zu neutralisieren.

Gut dastehen
Und was ist jetzt mit unserem Gesprächspartner? Lassen Sie uns auch da zunächst einen Blick auf uns selbst werfen. Was ist es, das uns durch unser ganzes Leben begleitet? Das uns schon im Sandkasten kämpfen ließ, wenn jemand zu uns sagte: „Du bist doof!“ Denn sofort kam unsere Antwort: „Selber doof!“ Sie werden vielleicht sagen, ja, bei Kindern ist das eben so. Aber kennen wir das nicht auch aus unseren „erwachsenen“ Dialogen, wenn zum Beispiel unser Partner zu uns sagt: „Du hast schon wieder den Müll nicht runtergebracht!“ und wir, ohne lange nachzudenken, antworten: „Hast du letzte Woche ja auch nicht!“ Was ist das, dieses den anderen nicht hören, sondern sofort in die Gegenoffensive wechseln? Wie damals im Sandkasten. Warum gehen wir sofort in die Verteidigungshaltung, statt zu hören, was der andere sagt?

Nun, da müssen wir schon wieder in die Psychologie wechseln. Der Mensch will geliebt werden und hat große Angst davor, abgelehnt zu werden. Anders ausgedrückt: Wir wollen gut dastehen. Gut dastehen. Ganz einfach. Und jede Kritik, die an uns gerichtet wird, scheint dieses Gut-dastehen-Wollen zu gefährden – ob das nun im Sandkasten ist (Doof! – Selber doof!) oder während einer Besprechung (Die Unterlagen sind nicht komplett! – Ja, wenn ich ständig von Ihnen bei der Arbeit unterbrochen werde!). Wir sehen allerdings schon an diesen kleinen Beispielen, dass diese „Verteidigungsstrategien“ nicht funktionieren: Zwei heulende Kinder gehen zu ihren Mamis; zwei Gesprächsteilnehmer äußern sich nach dem Gespräch, natürlich nur Dritten gegenüber: „Die Pflegekräfte heutzutage …!“ und „Dr. X spinnt, soll er doch sehen, wie er ohne mich klar kommt!“ (Wenn man so will, also auch hier zwei greinende Kinder.)

Gewinner- oder Verliererspiel
Halten wir, die wir erwachsen sind und über so vieles klug nachdenken können, fest: Der Versuch, den anderen schlecht dastehen zu lassen, wenn er uns etwas Unangenehmes sagt, funktioniert nicht. Wir können es ganz präzise sagen: Wann immer wir versuchen, über Rechthaberei oder eine andere Art, den anderen ins Unrecht zu setzen, gut dazustehen, wann immer wir also versuchen, auf Kosten des anderen gut dazustehen, wird es zu einem Verliererspiel für beide Seiten. Und jetzt kommt noch ein Satz, den ich voller Sicherheit in die Welt setze:

Eine Kommunikation hat entweder zwei Gewinner – oder zwei Verlierer. Da aber niemand aus seinen Gesprächen als Verlierer herausgehen möchte, gibt es nur eine einzige sinnvolle Möglichkeit für jede Kommunikation: Ich muss den anderen gut dastehen lassen. Dann und nur dann ist dieser bereit, auch mich gut dastehen zu lassen.

Damit wir uns richtig verstehen: Ich muss nicht dem anderen immer Recht geben, immer das sagen, was er hören will. Nein, das wäre verlogen. Ich darf ihm schon alles sagen, was gesagt werden muss. Nur: Ich muss dabei immer seinen Wunsch berücksichtigen, geachtet, wertgeschätzt, in seiner Würde gesehen zu werden. Wenn ich hier einen Fehler mache, den Gesprächspartner oder die Gesprächspartnerin also verletze, muss der andere, ich betone: er muss! dagegenhalten und mich verletzen. Und da fällt ihm, aus der schönen Tradition unserer Sandkastenerfahrung heraus, ganz bestimmt etwas ein. Wir Erwachsenen schaffen das natürlich viel subtiler als Kinder. Aber verletzende Signale geben, das können wir auch sehr gut!

Symmetrische Gesprächsführung
Da ist natürlich die Frage spannender, was wir denn tun können, damit das Gespräch nicht zu einem Verliererspiel wird. Und da helfen uns einige Überlegungen zu den verschiedenen Möglichkeiten, mit denen wir ein Gespräch führen können.

Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen. Sie sind bei Ihrer Arbeit und erstellen gerade eine Dokumentation an Ihrem Schreibtisch. Der Prüfarzt kommt herein, schaut sich Ihre Unterlagen kurz an und sagt, in deutlich vorwurfsvollem Ton: „Da sind ja schon wieder Fehler drin!“ Jetzt haben Sie ganz unterschiedliche Möglichkeiten der Reaktion:
– Sie können antworten: „Bitte nicht in diesem Ton!“ (Sie ahnen, wie das jetzt weiter geht. Wir stehen kurz vor der Eröffnung des neuen Sandkastens.)
– Oder Sie antworten, in weinerlichem Ton: „Ach, ich weiß schon. Heute ist überhaupt nicht mein Tag. Ich habe schon heute Morgen meinem Mann gesagt: ‚Ich sollte besser zu Hause bleiben’, aber ich konnte Sie ja hier nicht im Stich lassen.“ (Sollte Ihr Vorgesetzter jetzt die Augen verdrehen, würde mich das nicht wundern.)
– Oder, eine dritte Möglichkeit: Sie schauen Ihren Chef an und sagen: „Tut mir leid, aber jetzt mache ich es richtig.“

Sie spüren schon jetzt, obwohl wir diese drei Möglichkeiten der Reaktion noch gar nicht näher analysiert haben, dass es bei der letzten Reaktion auf eine Kommunikation hinausläuft, bei der am Ende wahrscheinlich zwei Gewinner stehen.

Aber gehen wir systematisch vor. Die erste Instanz, die wir in unserem Leben kennenlernen, sind unsere Eltern. Und wie immer diese sich verhalten, ob fürsorglich, liebevoll, schützend oder ob wir sie als strafend und vorwurfsvoll erleben – in jedem Fall ist die Kommunikationsform der Eltern bestimmend, dominant. Eltern sind Regeln aufstellende Autoritäten; sie sagen, wo’s lang geht. In diesem Sinne sind Eltern, ganz wertfrei gesagt, autoritär. Wir können diese Kommunikationsform, die ja die erste ist, die wir in unserem Leben kennenlernen, in Anlehnung an das so genannte Transaktionsmodell des Psychoanalytikers Eric Berne als Eltern-Ich bezeichnen. Und jedes Kind erlernt diese Kommunikationsmöglichkeit – da es ja über lange Jahre hin Tag für Tag damit konfrontiert ist.

Dagegen allerdings baut das Kind allmählich sein Kind-Ich auf. Es grenzt sich aus der undifferenzierten Einheit mit den Eltern aus und begreift sich als eigenständige Persönlichkeit, als einmalige, unteilbare Einheit (und das Wort In-dividuum bedeutet ja nichts anderes als das Un-teilbare). Sein Ich kann das Kind allerdings nur in der Abgrenzung vom Ich der Eltern erfahren, und das tut es, indem es auf Widerspruch geht. Nein ist das bevorzugte Wort in dieser Ich-Abgrenzungsphase (die wir deshalb auch als Trotzphase bezeichnen). Und das Kind handelt immer spontan und immer aus seiner Emotionalität heraus: Es ist total liebevoll, neugierig, offen, kreativ. Und es ist widerständig, schlecht drauf, wütend und aggressiv. Wie es ihm eben seine Gefühle eingeben. Wenn unser Eltern-Ich also von Dominanz bestimmt ist, dann ist es beim Kind-Ich die Emotion.

Unserer Kommunikationen erfolgen zunächst aus diesen beiden Ich-Formen heraus: aus dem dominanten Eltern-Ich und aus dem emotionalen Kind-Ich heraus. Wenn sie zu ihm sagt: „Ich find das unmöglich von dir!“ und er daraufhin antwortet „Püh, ist mir doch egal“, dann hat sie vorwurfsvoll aus dem Eltern-Ich und er trotzig aus seinem Kind-Ich heraus gesprochen. Und wenn er nach Hause kommt und sagt: „Schatz, ich hab‘ so’n Hunger!“ und sie antwortet: „Okay, ich mach dir schnell was zu essen“, dann beginnt er bettelnd im Kind-Ich und sie antwortete im mütterlich-fürsorglichen Eltern-Ich. Auch wenn zum Beispiel ein Studienpatient, weil er so lange warten musste, seinen Ärger an der Studienassistentin auslässt und sie pampig anredet, dem Prüfarzt gegenüber sich dann aber lammfromm verhält, dann erwächst dieses ja doch ungerechte Verhalten aus den uralten Ängsten eines Kindes vor den Reaktionen der deutlich übergeordneten Eltern. Bei der Studienassistentin traut man sich eher, etwas zu sagen – man nimmt sie auf der Ebene wahr, auf der man selber steht.

Solche Kommunikationsspiele sind damit gut erklärbar, es sind Spiele der Erwachsenen (so heißt auch das Buch von Eric Berne). Sie gehen von diagonalen Kommunikationswegen aus (Prüfarzt/Studienpatient), von oben nach unten oder von untern nach oben. Sie sind damit völlig in Ordnung – auch wenn sie in dem letzten Beispiel für die Studienassistentin ärgerlich sind. Sie sind in Ordnung, sagte ich, solange es um nichts Wichtiges geht. Für ernsthafte Prozesse allerdings sind sie ungeeignet. Damit sind sie auch bei der Arbeit ungeeignet, denn da geht es ja schließlich um etwas.

Unser Erwachsenen-Ich
Und deshalb erlernen wir im Laufe unseres Lebens noch eine dritte, erwachsene Kommunikationsform. Hier finden sich jetzt alle nichtdominanten, alle unemotionalen Eigenschaften: Verantwortungsbereitschaft, Rationalität, Kompromissbereitschaft, Kritikfähigkeit. Die Kommunikation aus dem Erwachsenen-Ich heraus ist nicht mehr diagonal, nicht mehr asymmetrisch. Sie findet auf Augenhöhe statt, sie lässt den Kommunikationspartner als Person stehen (gut dastehen), achtet seinen Wert – ist also letztlich symmetrisch.

Wichtig:
Kommunikationen aus solcherart symmetrischen Haltungen der Kommunikationspartner heraus haben keinen Platz für Verletzungen. Es geht also um die Bereitschaft, verantwortlich mit seinen Mitmenschen und damit verantwortlich mit der Kommunikation umzugehen. Denn Kommunikation gestaltet ja unsere Beziehung zum anderen. Kommunikation ist Beziehung.

Praxistipps für ein gelungenes Gespräch
Jetzt, wo geklärt ist, was während einer Kommunikation in uns geschieht (Haltung, Kopfkino) und worauf wir bei unserem Gesprächspartner, unserer Gesprächspartnerin achten müssen (Gut-dastehen-Lassen, Symmetrie), folgen noch einige konkrete Tipps, auf die Sie während einer Kommunikation achten können und achten sollten.

Beziehung
Das Wichtigste bei jedem Gespräch ist, zu unserem Gegenüber in Beziehung zu gehen. Bringen Sie sich selbst in eine aufgeräumte und auch körperlich entspannte Haltung. In Beziehung zu gehen ist keine Frage der Zeit, nur eine Frage des daran Denkens. Bevor ich auf das Thema des Gesprächs komme, muss ich den anderen wahrnehmen und formal durch einen Gruß die Beziehung eröffnen – und ich muss in irgendeiner Form die Bereitschaft des anderen testen, das Gespräch zu führen. Wir tun das bisweilen durch die uns manchmal lächerlich erscheinende Frage ‚Wie geht’s?’, die aber eben doch nicht so lächerlich ist; denn sie eröffnet die Möglichkeit, die bestehende Stimmung anzudeuten und unverfänglich ins Sprechen zu kommen. Und Sie werden es kaum glauben: Die meisten Kommunikationsfehler werden auf der Beziehungsebene gemacht, nicht auf der Sachebene. Wir ‚stolpern’ oft in unsere Kommunikationen, ohne wahrzunehmen, wo unser Gegenüber sich gerade befindet. Also achten Sie auf eine gute Beziehung zu Beginn des Gesprächs. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Kommunikation von Anfang an.

Verantwortung
Weiter oben wurde gesagt, dass Sie Ihren Gesprächspartner gut dastehen lassen sollen. Sie sollen auf eine symmetrische, erwachsene Gesprächsführung achten. Damit können Sie auch am allerbesten die, wie soll ich es nennen: Prellbocksituation, in der Sie sich als Studienassistentin sicher häufig fühlen, neutralisieren. Und ganz praktisch tun Sie das am besten dadurch, dass Sie dem anderen zuhören. Jawohl, ganz einfach: zuhören. Verantwortlich zuhören heißt, wirklich zu hören, was der andere Ihnen gerade sagt. Get it! – Der Wert jeder Kommunikation liegt in der Qualität des Zuhörens. Und: Übernehmen Sie Verantwortung dafür, dass man Ihnen zuhört. Sie haben richtig gelesen: Verantwortung dafür, dass man Ihnen zuhört. Sorgen Sie dafür, dass man mit Ihnen so umgeht, wie Sie es mit anderen tun. Dadurch entsteht Symmetrie im Gespräch. Voilá!

Anerkennung
Die beste Voraussetzung, dass man Ihnen zuhört, ist die Anerkennung Ihres Gesprächspartners. (Über die Gedanken in Ihrem Kopf haben wir ja schon gesprochen. Darum geht’s jetzt.) Wenn Sie aus einer Haltung von Anerkennung sprechen, dann wird Ihre Kommunikation schnell zu einem Gewinnerspiel. Jetzt werden Sie sagen: „Aber wenn ich doch am anderen nichts Anerkennenswertes finde!“, – ja, wenn Sie gar nichts am anderen finden, was Sie anerkennen können, dann sehe ich wenig Chancen, dass es ein gutes Gespräch wird. Also finden Sie etwas (man kann das üben; aber Vorsicht: Keine Heuchelei!) und bringen Sie das ruhig auch ins Wort. Denn die Anerkennung des anderen ist die beste Voraussetzung dafür, dass man Ihnen zuhört und das Gespräch zum Gewinnerspiel wird. Für Sie – und für Ihren Kommunikationspartner!

Ihr Volker Hermanspann

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.