In welchen Situationen sich Prävention wirklich lohnt!

Liebe Leserinnen und Leser,

heute einmal wieder ein interessanter Artikel zu „Bewegung und Ernährung“, den ich in einem ähnlichen Kontext und in einer etwas anderen Form schon einmal gepostet habe. Es ist verrückt: natürlich habe ich verstanden, dass wir aus vielen Zwängen der fortschreitenden Zivilisation, Weiterentwicklung und Globalisierung nicht „herauskommen“ und das natürlich auch mit sehr vielen Vorteilen und spannenden Herausforderungen im Zusammenhang steht, die ich gerne nutze beziehungsweise annehme. Dennoch sollten wir im Kontext von Ernährung und Bewegung nicht vergessen, dass wir all das, was früher täglicher Anteil unseres Lebens war – sich bei der Arbeit zu bewegen und sich von dem zu ernähren, was uns die Natur zur Verfügung steht – weitestgehend weggefallen ist! Heute müssen wir uns nicht mehr bewegen, nehmen das dankend an und ernähren uns überwiegend von Dingen, die nicht natürlich sind, sondern die wir oftmals nahezu vollständig technisch produziert haben – damit meine ich nicht nur Süßigkeiten! Und dadurch erzeugen wir gleichzeitig (neben Müll) eine Unmenge an Erkrankungen, die vollkommen neu sind (spezielle Allergien) und weitere, die es sonst gar nicht geben würde – zumindest nicht in diesen steigenden Zahlen! Und noch verrückter ist, dass sich Einige beim Lesen dir Zeilen wundern und vielleicht sagen: wie abgedreht ist der Typ eigentlich? Was schreibt er hier eigentlich? Das ist doch fern jeder Realität und in der modernen Welt nicht umsetzbar. Ich versichere, dass ich völlig normal bin – okay, das sagen auch die meisten, bei denen es definitiv nicht der Fall ist . . . ich stelle mir nur einige Fragen und lege ein paar Grundsätze für mich fest, und versuche, wenigstens einen Teil davon umzusetzen . . . dazu gehören die Folgenden:

  1. 10.000 Schritte am Tag sind eine coole Challenge
  2. Obst anstatt Süßigkeiten
  3. Fleisch, Käse und Milch gehören nicht zu den gesunden Nahrungsmitteln.
  4. Vegan zu leben ist eine interessante Herausforderung: man muss sich wieder um seine Nahrung kümmern und bewusst auswählen (wie früher, als man sie noch jagen oder suchen musste), weil sie in Deutschland nicht alle drei Meter angeboten wird . . . vor allem dann nicht, wenn man beruflich viel unterwegs ist. Ich bin übrigens weder untergewichtig, noch habe ich Mangelerscheinungen.
  5. . . . und viele mehr!

Jetzt zu den Fakten, die ich einem aktuellen Artikel aus Medscape Medicine entnommen habe . . .

Ihnen Allen alles Gute und bis zum nächsten Mal.

Ihr Harald Keifert

Erstmals Zahlen für Deutschland: Mindestens jeder 3. Krebs wäre vermeidbar – DKFZ-Forscher raten, wo Prävention lohnt!

Michael van den Heuvel, September 2018

Mindestens 37% aller Krebsfälle stehen in Deutschland mit vermeidbaren Risikofaktoren in Verbindung. Ohne Rauchen, Übergewicht, Ernährungsfehler und Infektionserkrankungen wären 165.000 Neuerkrankungen pro Jahr vermeidbar. Das berichten Dr. Ute Mons und Prof. Dr. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Pressemitteilung und in 3 Berichten im Deutschen Ärzteblatt. Vom Gesetzgeber fordern sie bessere Präventionsstrategien. „Diese Zahlen, die nun erstmals auch für Deutschland vorliegen, liefern eine wichtige Grundlage für die Präventionsforschung“, kommentiert Prof. Dr. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. „Wir könnten weit über ein Drittel aller Krebsneuerkrankungen vermeiden, würden wir das Potenzial der Krebsprävention voll ausschöpfen.“ Damit könne man nicht nur Zehntausenden das Leben retten, sondern deutlich mehr Menschen das Schicksal einer schweren Erkrankung ersparen.

Wie Medscape berichtet hat, bringen Forscher in den USA 4 von 10 Krebserkrankungen mit Lebensstil-Faktoren in Verbindung. Dazu zählen vor allem Rauchen, Alkohol und Übergewicht. Erstmals zeigen Mons und Brenner mit ihren Kollegen nun die Trends für Deutschland auf. Sie arbeiten mit nationalen Krebsinzidenzdaten, Expositionsdaten und gesicherten relativen Krebsrisiken. Auf Basis dieser Daten simulieren sie, wie viele aller in 2018 zu erwartenden 440.000 Krebsfälle bei Personen zwischen 35 und 84 Jahren auf den Lebensstil oder auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind.

Lebensstil-Faktoren: Tabak, Alkohol und Ernährung

  • Die Wissenschaftler bringen 85.072 Krebserkrankungen mit dem Tabakkonsum in Verbindung. Das entspricht 19% aller neuen Fälle. 89% aller Lungenkrebsfälle bei Männern und 83% bei Frauen lassen sich damit erklären [1].
  • Hoher Alkoholkonsum führt bei 9.588 Patienten zu Krebs, das sind 2% aller Neuerkrankungen. Hier haben vor allem Tumore der Mundhöhle und des Rachens (34% bei Männern und 6% bei Frauen) sowie Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre (30% bei Männern und 5% bei Frauen) Bedeutung.
  • Weitere 30.567 Krebsfälle (7%) werden mit Übergewicht,
  • 27.081 (6%) mit wenig Bewegung,
  • 14.474 (3%) mit einer zu niedrigen Ballaststoffzufuhr,
  • 9.447 (2%) mit wenig Obst und Gemüse,
  • 9.454 (2%) mit hohem Wurstkonsum,
  • 1.687 (0,4%) mit rotem Fleisch
  • und 1.204 (0,3%) mit zu viel Kochsalz in Zusammenhang gebracht.

Übergewicht bewerten Mons und Brenner als Hauptrisikofaktor für Gebärmutter-, Nieren- und Leberkrebs (24 bis 35%), während geringe körperliche Aktivität vor allem zu Gebärmutter-, Nieren- und Lungenkrebs (15 bis 19%) führe. Unterschiedliche Ernährungsfaktoren gelten bei Darm-, Lungen- und Brustkrebs (9 bis 16%) als ursächlich [2].

Infektionen und Umweltnoxen

Von allen in 2018 zu erwartenden Krebsneuerkrankungen werden mindestens 5% durch vermeidbare Infektionskrankheiten oder Umweltfaktoren ausgelöst [3].

17.600 Krebsfälle gehen auf das Konto diverser Infektionen. Das entspricht 4,0% aller Neuerkrankungen. An der Spitze stehen Helicobacter pylori (8.764 Fälle) und humane Papillomaviren (7.669 Fälle). Für Hepatitis B, Hepatitis C und für das humane Immundefizienz-Virus (HIV) kommen die Forscher auf 983, 144 Fälle beziehungsweise auf 116 Fälle.

„Mit diesen Schätzungen wollen wir der Gesundheitspolitik, aber auch Ärzten … Anhaltspunkte dafür liefern, wie das große ungenutzte Potenzial der Krebsprävention effizienter genutzt werden könnte.“, sagt Prof. Dr. Hermann Brenner.

Weitere 5.400 Krebsfälle (1,2% aller Krebsneuerkrankungen) werden mit Umweltnoxen erklärt. Mons und Brenner nennen Radon in Innenräumen (3.185 Fälle), Feinstaub (1.049 Fälle), UV-Strahlung aus Solarien (892 Fälle) und Passivrauchen (309 Fälle).

Offene Fragen

Möglicherweise sei der Anteil von 37% bezogen auf vermeidbare Krebserkrankungen noch etwas zu niedrig, schreiben die Autoren. Sie nennen mehrere Schwachstellen ihrer Forschungsarbeit: Nicht immer gelte der Zusammenhang zwischen Risikofaktoren und Krebserkrankungen als gesichert. Außerdem fehlten Daten zu einzelnen Themen, etwa zur UV-Exposition über Sonnenlicht. „Berücksichtigen wir zusätzlich noch das Potenzial von Früherkennungsmaßnahmen, etwa der Darmspiegelung, so liegt der Anteil vermeidbarer Krebserkrankungen noch weitaus höher, schätzungsweise bei mindestens 50 Prozent“, so Brenner.

Die Zeit ist reif für neue Präventionsstrategien

Brenner ergänzt: „Mit diesen Schätzungen wollen wir der Gesundheitspolitik, aber auch Ärzten und anderen Mitarbeitern des Gesundheitswesens Anhaltspunkte dafür liefern, wie das große ungenutzte Potenzial der Krebsprävention effizienter genutzt werden könnte.“

Ein Beispiel: Tabakkonsum erklärt laut Simulation 19% aller Krebsfälle in Deutschland, aber nur 15% in Großbritannien. Mons: „Hier wird sichtbar, dass Deutschland bei der Umsetzung einer wirksamen Tabakpräventionspolitik europaweit zu den Schlusslichtern zählt.“ In Ländern mit konsequenter Tabakprävention fordere das Rauchen inzwischen weit weniger Krebsopfer.

„Deutschland zählt bei der Umsetzung einer wirksamen Tabakpräventionspolitik europaweit zu den Schlusslichtern.“, sagt Dr. Ute Mons.

Auch bei den Risikofaktoren Übergewicht und Bewegungsmangel sehen die Forscher Handlungsbedarf. Oft wird der Grundstein schon in jungen Jahren gelegt. „Einen Erfolg von Präventionsmaßnahmen werden wir erst nach vielen Jahren sehen“, weiß Baumann. Doch Fortschritte in der Krebstherapie hätten ihren Preis. „Langfristig wird sich Vorbeugen auszahlen, auch gesundheitsökonomisch“, ist sich der Experte sicher.

Hilfreiche Tipps liefert eine neue Broschüre des Krebsinformationsdienstes „Was kann ich tun? Gegen Krebs!“. Sie gibt aktuelle und wissenschaftlich belegte Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil und zeigt Möglichkeiten zur Vorbeugung auf. Grundlage der Broschüre sind der Europäische Kodex zur Krebsbekämpfung und die Empfehlungen von Fachgesellschaften. Die Broschüre ist online erhältlich oder kann mithilfe eines Online-Formulars oder per E-Mail (sekretariat-kid@dkfz.de) bestellt werden.

  1. Mons U, et al: Dtsch Arztebl Int 2018; 111(35-36):571-577
  2. Behrens G, et al: Dtsch Arztebl Int 2018; 111(35-36):578-585
  3. Gredner T, et al: Dtsch Arztebl Int 2018; 111(35-36):586-593

 

 

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