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News aus Medizin, Pflege und Gesundheit

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Mit dem Grad der Verarbeitung von Lebensmitteln steigt das Risiko für Krebserkrankungen!

Werte Kolleginnen und Kollegen,

heute habe ich wieder einmal einen Artikel außerhalb der Intensivmedizin und auch außerhalb der Pneumologie für Sie! Das Thema Ernährung ist allerdings wiederum doch nicht so weit von der Intensivmedizin entfernt, wenn man bedenkt, wie lückenhaft unser Wissen zu diesem Thema ist und wie wenig Berücksichtigung die individuelle Ernährung unserer Patienten auf der Intensivstation erfährt. Genau genommen gilt dies für jeden Aufenthalt im Krankenhaus: über ein vegetarisches Menü, das zumeist weit davon entfernt ist gesund zu sein, kommen wir in der Regel nicht hinaus. Wenn Sie als ein Patient, der sich wirklich in allen Belangen gesund ernährt, im Krankenhaus behandelt werden müssen, wird das zur Verfügung gestellte Angebot weit von einer gesunden Ernährung entfernt sein – ähnlich weit wie das Verständnis der meisten Ärzte und Pflegekräfte für diese Patienten und ihre Wünsche sich gesund zu ernähren! Aus diesem Grund, aber auch aus ganz persönlichen Beweggründen, empfinde ich den hier aufgeführten Artikel von Ute Eppinger in Medscape vom 22.02.18 als interessant!

Die aktuell im British Medical Journal erschienene Kohortenstudie NutriNet-Santé liefert Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von stark verarbeiteter Nahrung und der Entstehung von Brust-, Prostata- und Darmkrebs [1]. Dr. Thibault Fiolet vom Epidemiology and Statistics Research Center der Sorbonne in Paris und seine Kollegen haben 104.980 gesunde französische Erwachsene auf ihre Ernährungsgewohnheiten hin untersucht. Sie fanden heraus, dass eine 10%-ige Erhöhung des Anteils von stark verarbeiteten Lebensmitteln in der Nahrung das generelle Krebsrisiko um 12% und das Brustkrebsrisiko um 11% erhöht. Für Prostata- und Dickdarmkrebs wurden keine signifikanten Assoziationen gefunden.

„Die Arbeit von Fiolet et al. ist gut gemacht, und die Ergebnisse geben wirklich zu denken“, kommentiert Dr . Tilman Kühn die Studienergebnisse. Kühn ist Leiter der Arbeitsgruppe Ernährungsepidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Er gibt aber zu bedenken, dass eine Kausalität zwischen stark- und ultra-verarbeiteten Lebensmitteln und Krebs damit noch nicht bewiesen ist, denn schließlich handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, bei der sich Störfaktoren nicht ausschließen lassen.

Fiolet und seine Kollegen ließen Probanden (22% Männer, 78% Frauen, medianes Alter 43 Jahre) mindestens zwei 24-Stunden-Online-Fragebögen zur Ernährung ausfüllen. Die Bögen gaben Auskunft über die Aufnahme von 3.300 verschiedenen Nahrungsmitteln. Sie teilten die Aufnahme von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln – je nach Anteil an der Ernährung – in 4 Gruppen ein. Die Lebensmittel wurden nach dem Grad der industriellen Verarbeitung gruppiert, Krebsfälle wurden anhand von Erklärungen der Teilnehmer identifiziert, und durch medizinische Aufzeichnungen und nationale Datenbanken über einen Zeitraum von durchschnittlich 5 Jahren validiert. Bekannte Risikofaktoren für Krebs – wie Alter, Geschlecht, Bildungsniveau, familiäre Vorgeschichte von Krebs, Raucherstatus und körperliche Aktivität – wurden berücksichtigt.

Zu den stark verarbeiteten Lebensmitteln zählten verpackte Backwaren und Snacks, kohlensäurehaltige Getränke, zuckerhaltige Getreideprodukte, Fertiggerichte und zusammengesetzte Fleischprodukte – oft mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt, aber ohne Vitamine und Ballaststoffe. Die Studienautoren nehmen an, dass diese Lebensmittel bis zu 50% der gesamten täglichen Energiezufuhr in vielen Industrieländern ausmachen.

Assoziationen mit Brustkrebsrisiko

Die Aufnahme von stark verarbeiteter Nahrung war mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden: Die Hazard Ratio (HR) lag bei einer um 10% erhöhten Aufnahme von hochverarbeiteten Lebensmitteln in der Ernährung bei 1,12 (95%-Konfidenzintervall: 1,06-1,18; p < 0,001). Für Brustkrebs lag die HR bei 1,11 (95%-KI:1,02-1,22; p = 0,02).

Vor allem stark verarbeitete Fette und Saucen (p = 0,002) sowie zuckerhaltige Produkte (p = 0,03) und Getränke (p = 0,005) waren mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert. Bei erhöhtem Brustkrebsrisiko lag eine Assoziation mit stark verarbeiteten zuckerhaltigen Produkten vor (p = 0,006).

„Weitere Tests ergaben keinen signifikanten Zusammenhang zwischen weniger verarbeiteten Lebensmitteln (wie Gemüsekonserven, Käse und frisch gebackenes unverpacktes Brot) und dem Krebsrisiko“, schreiben die Studienautoren. Hingegen sei der Verzehr von frischen oder minimal verarbeiteten Lebensmitteln (Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Eier, Fleisch, Fisch und Milch) mit einem geringeren Risiko für Krebs und Brustkrebs verbunden gewesen.

Mehr frische Lebensmittel

Fiolet und Kollegen betonen, dass weitere Arbeiten erforderlich sind, um die Auswirkungen der verschiedenen Verarbeitungsstufen besser zu verstehen. Sie schlagen aber schon jetzt vor,

  • die Rezepturen von Produkten zu überdenken,
  • Produkte entsprechend zu kennzeichnen,
  • sie anders zu besteuern und
  • auch über Vermarktungsbeschränkungen für stark verarbeitete Produkte nachzudenken.

Gleichzeitig könnte die Förderung frischer oder minimal verarbeiteter Lebensmittel zur Krebsprävention beitragen.

„Unseres Wissens nach ist unsere Studie die erste, die eine Erhöhung des Risikos von Brustkrebs im Zusammenhang mit stark verarbeiteter Nahrung untersucht und hervorhebt“, schreiben Fiolet und seine Kollegen. Sie fügen hinzu: „Zwar sind weitere Untersuchungen notwendig, aber die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der rapide steigende Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln in den nächsten Jahrzehnten zu einer zunehmenden Krebsbelastung führen kann.“

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, lassen sich keine eindeutigen Rückschlüsse auf Ursache und Wirkung ziehen – darauf verweisen auch die Studienautoren.

Bessere Kennzeichnung von Nahrungsmitteln?

Kühns Einschätzung nach haben Fiolet und seine Kollegen auf die bestmögliche Art und Weise versucht, den Einfluss von Confoundern so weit wie möglich zu verringern: „Die Analysen wurden in den Subgruppen wiederholt – beispielsweise in der Gruppe der Nichtraucher und in der Gruppe der normalgewichtigen, schlanken Studienteilnehmer. Und in all den Subgruppen zeigte sich dieser Zusammenhang zwischen der Aufnahme stark verarbeiteter Nahrung und erhöhtem Krebsrisiko. Das ist sehr sauber gearbeitet und überzeugend“, betont Kühn.

Das Neue an der Arbeit von Fiolet und seinen Kollegen sei: „Die französische Studie bildet die gegenwärtigen Ernährungsgewohnheiten gut ab. Und die enthalten reichlich hoch- und ultra-verarbeitete Produkte“, erklärt Kühn. Er sieht die Studie im Zusammenhang mit dem Vorhaben Frankreichs, die Inhalts- und Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln generell besser zu kennzeichnen. „Es ist wünschenswert, dass das auch in anderen Ländern passiert und dass noch mehr solcher Studien gemacht werden.“

Welche Stoffe für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich sind, steht noch nicht fest.

Im begleitenden Editorial schreiben Dr. Martin Lajous und Dr. Adriana Monge vom National Institute of Public Health in Mexiko, dass die Studie „einen ersten Einblick in eine mögliche Verbindung zwischen stark verarbeiteten Lebensmitteln und Krebs bietet“ [2]. Sie fahren fort: „Wir sind aber noch weit davon entfernt, die vollen Auswirkungen der Lebensmittelverarbeitung auf Gesundheit und Wohlbefinden zu verstehen.“

Die Editorialisten kommen zu dem Schluss: „Die Stärken und Grenzen dieser neuesten Analyse sollten der Öffentlichkeit vermittelt und das Verständnis für die Komplexität der Ernährungsforschung sollte geweckt werden.“

Auch Kühn betont, dass es noch zu früh ist, um aus den Ergebnissen konkrete Empfehlungen für die Praxis abzuleiten. Dazu sollten weitere Studien und konsistente Befunde vorliegen.

Noch ein Stück weit offen bleibt auch, welche Stoffe genau für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich sind „Die Autoren schreiben selbst, dass das noch nicht geklärt ist und noch besser in Tiermodellen erforscht werden muss.“ Diskutiert würden beispielsweise Titan-Dioxid- und Nano-Partikel. Sollte sich ein kausaler Zusammenhang herstellen lassen, hätte dieser wohl auch Einfluss auf die Zulassung dieser Stoffe zur Verarbeitung von Nahrungsmitteln.

„Durch die Studie kommt aber eine Diskussion ins Rollen, das ist begrüßenswert“, schließt Kühn.

Und genau das denke ich auch! Und ich denke, dass jeder, auch ohne weitere wissenschaftliche Untersuchungen, für sich selbst sehr gut ableiten kann, wie diese Erkenntnisse seine eigenen Ernährungsgewohnheiten beeinflussen sollen!

Mit kollegialen Grüßen

Ihr Harald Keifert

REFERENZEN:

1. Fiolet T, et al: BMJ (online) 14. Februar 2018

2. Monge A, et al: BMJ (online) 14. Februar 2018

Jetzt ist es amtlich: HES-haltige Infusionslösungen sollen endgültig vom Markt verschwinden!

Liebe Leserinnen und Leser,

literweise haben wir es früher gegeben – prima hat es geholfen, so hatte man den Eindruck! Bis in den letzten Jahren die kritischen Stimmen immer lauter geworden sind und die wissenschaftlichen Daten immer eindeutiger! Jetzt ist es amtlich: HES-haltige Infusionslösungen sollen endgültig vom Markt verschwinden! Der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Empfehlung ausgesprochen. In klinischen Studien zeigten sich bei Anwendung von HES-Lösungen ein erhöhtes Risiko für Nierenversagen und eine erhöhte Mortalität. Sie dürfen seither nicht mehr zur Behandlung von Patienten mit Sepsis, mit Verbrennungen und bei intensivpflichtigen Patienten eingesetzt werden. Bei allen anderen Patienten sollen sie maximal 24 Stunden lang angewendet werden. Währenddessen muss die Nierenfunktion überwacht werden. HES-haltige Infusionslösungen werden aktuell noch zur Behandlung von Patienten mit Hypovolämie durch akuten (plötzlichen) Blutverlust eingesetzt, wenn die Behandlung mit alternativen Infusionslösungen – Kristalloiden – allein als nicht ausreichend angesehen wird. Aber auch hier gibt es Alternativen, so dass wir HES wohl tatsächlich nicht mehr benötigen!

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende – bis zum nächsten Artikel!

Ihr Harald Keifert

unter Verwendung der Quelle Medscape, 12.01.18

Veröffentlicht unter Team | Verschlagwortet mit

Neubewertung der medikamentösen Therapie der Idiopathischen Lungenfibrose

Liebe Leserinnen und Leser,

heute habe ich ausnahmsweise keinen selbst verfassten Artikel für Sie, sondern möchte Sie mit einem Abstract über die aktuellen Erkenntnisse zur medikamentösen Therapie der Idiopathische Lungenfibrose informieren. Die S2k-Leitlinie Idiopathische Lungenfibrose – Update zur 2017 finden Sie auf der Website der DGP.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche – bis zum nächsten Artikel.

Ihr Harald Keifert

Zusammenfassung

Die idiopathische Lungenfibrose (idiopathische pulmonale Fibrose, IPF) ist eine schwerwiegende Lungenerkrankung, die häufig innerhalb von zwei bis vier Jahren nach Diagnosestellung zum Tod führt. Seit Veröffentlichung der deutschen IPF-Leitlinie im Jahr 2013 liegen neue Therapiestudien vor, die eine Neubewertung der Behandlungsstrategien erfordern. Abweichend von der Vorgängerleitlinie wurde in der aktuellen Überarbeitung nicht mehr das GRADE-System sondern die Oxford Evidenzsystematik mit drei Empfehlungsgraden (A, B, C) verwendet, weil dieses System eine differenziertere Betrachtung erlaubt. Folgende Medikamente wurden mit dem Empfehlungsgrad A und dem Evidenzgrad 1-b als nicht geeignet für die Behandlung der IPF klassifiziert: Triple-Therapie aus Prednisolon, Azathioprin und Acetylcystein; Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten; Imatinib; Ambrisentan; Bosentan; Macitentan. Weniger eindeutig ist die negative Bewertung des Phosphodiesterase-5-Inhibitors Sildenafil und der Acetylcystein-Monotherapie (Empfehlungsgrad B, Evidenzgrad 2-b). Eindeutig positiv fiel die Empfehlung für Nintedanib und Pirfenidon zur Behandlung von IPF-Patienten aus (Empfehlungsgrad A, Evidenzgrad 1-a). Mit Empfehlungsgrad C und Evidenzgrad 4 wurde der generelle Einsatz von Antazida zur Behandlung der IPF als nicht zu empfehlen bewertet, da die Datenlage widersprüchlich ist; hier weicht die deutsche Leitlinie auch am deutlichsten von der internationalen Leitlinie ab. Am Ende der Leitlinie wird aus Expertensicht zu offenen Fragen in der Therapie der IPF Stellung genommen, für die bisher keine ausreichende Evidenzbasis existiert.

© 2017 Georg Thieme Verlag KG

Veröffentlicht unter Team

Warum Paranüsse (gerade für Männer) so wichtig sind . . .

Werte Leserinnen und Leser,

heute befassen wir uns einmal wieder mit einem Ernährungsthema. Das lebensnotwendige Spurenelement Selen ist Bestandteil körpereigener Proteine und unterstützt bei der Abwehr gegenüber von Krankheiten. Da der menschliche Körper Selen jedoch nicht selbst bilden kann, muss es in ausreichender Menge mit der Nahrung zugeführt werden. Die höchsten Selenkonzentrationen finden sich u.a. in der Schilddrüse und der Prostata. Bei lang andauernden, chronisch entzündlichen oder chronisch destruktiven Erkrankungen wie z.B. Prostatakrebs besteht oftmals ein erhöhter Bedarf. Die Schutzwirkung von Selen gegenüber Prostatakrebs lässt sich durch seinen positiven Einfluss auf das unkontrollierte Zellenwachstum, notwendige Reparaturmechanismen und die Aktivierung des Immunsystems zur Erkennung sowie Vernichtung von Krebszellen erklären. Erhöhte Aufnahmen des Spurenelements Selen verringern nachweislich das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Die Empfehlung zur Dosierung liegt bei Prävention sowie bei bestehender Prädisposition bei 100 – 200 µg Selen pro Tag. Laut Lebensmitteldatenbank des US Department of Agriculture (USDA) enthalten 100 g Paranüsse 1917 µg Selen.

Mit einer Paranuss pro Tag würde man demzufolge problemlos die für den besonderen Bedarf notwendige Zufuhrmenge aufnehmen. Und das bedeutet in praktischer Umsetzung, dass neben den altbekannten Haselnüssen und Mandeln demnächst auch die Paranüsse auf dem Einkaufszettel stehen sollten.

Ihre Elena Keifert
B.A. Sportwissenschaften („Bewegung und Ernährung“)

Der Zusammenhang zwischen täglicher Bewegung und Krebs

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute habe ich einen kurzen Artikel für Sie vorbereitet, der zwar nur indirekt mit unserem Unternehmensschwerpunkt zu tun hat, uns aber dennoch sehr am Herzen liegt!

Dass Sport, zumindest aber schon einmal Bewegung, günstige Auswirkungen für einen gesunden Körper, für Geist und Seele in sich birgt, ist allgemein bekannt. Dass regelmäßige Bewegung jedoch das Risiko an Krebs zu erkranken reduziert, weiß nicht Jeder. Inzwischen liegen sogar Untersuchungen vor, die den Grad der krebspräventiven Wirkung ziemlich exakt beziffern. Somit liegen für jeden gesunden Erwachsenen gute Gründe vor, regelmäßige körperliche Aktivitäten in seinen Tagesablauf zu integrieren! Besonders präzise ist die Bedeutung von körperlicher Aktivität zur Prävention von Brust- und Darmkrebs untersucht worden.

Für Brustkrebs schwankt die Risikoverminderung zwischen 20% und 80%. Die meisten Untersuchungen belegen, dass tägliche mäßig starke bis intensive körperliche Aktivität zwischen 30 und 60 Minuten das Brustkrebsrisiko senkt. Den größten Nutzen haben Frauen, die ihr ganzes Leben aktiv sind, aber auch Frauen, die sich nach der Menopause bewusst mehr bewegen. In Bezug auf das Kolonkarzinom kann vermehrte körperliche Aktivität das Risiko im Vergleich zu einem inaktiven Lebensstil um 30% bis 40% senken. Das ist ein Wort – vor allem angesichts der Häufigkeit dieses Krebsleidens!

Beim Prostatakarzinom sind die Erkenntnisse zum präventiven Effekt körperlicher Bewegung uneinheitlich, wobei durchaus Daten vorliegen, die zeigen, dass das Risiko an einem aggressiven Prostatakarzinoms zu erkranken bei starker oder sehr starker körperlicher Aktivität sinkt. In der Health Professionals Follow-Up-Studie war das Risiko bei Männern über 65 Jahre für ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom um 67% und für ein tödliches Prostatakarzinom um 74% niedriger, wenn sie sich sehr stark körperlich betätigten, also mindestens 3 Stunden pro Woche joggten, Fahrrad fuhren, schwammen oder beispielsweise Tennis spielten.

Ferner ergab eine neuere Untersuchung keinen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko für die Entstehung eines Magen-, Rektum-, Nieren-, Pankreas-, Blasen- oder Hodenkarzinoms oder einer hämatologischen Erkrankung. Im Gegensatz dazu fand eine Analyse von prospektiven Studien mit 1,4 Mio. Teilnehmern heraus, dass körperliche Aktivität mit einem niedrigeren Risiko für 13 Krebsformen assoziiert war, und zwar an Speiseröhre, Lunge, Nieren, Magen, Endometrium, Kolon, Kopf und Hals, Rektum, Blase und Brust sowie für myeloische Leukämie und Myelom. Interessanterweise waren vermehrte körperliche Freizeitaktivitäten mit einem höheren Melanomrisiko verbunden, möglicherweise wegen des verlängerten Aufenthalts im Freien.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: angesichts der Tatsache, dass viele Menschen übergewichtig sind und wir zahlreichen weiteren Risiken ausgesetzt sind, die die Krebsentstehung begünstigen, müsste endlich ein konsequentes Umdenken stattfinden:

  1. Ärzte sollten frühzeitig Bewegung verordnen: nicht abstrakt und in Nebensätzen, sondern verbunden mit umsetzbaren Hilfestellungen. Und sie sollten den Verlauf begleiten und kontrollieren!
  2. Die sogenannten Gesundheitskassen sollten mit nachhaltigeren Gesundheitsförderungs-Programmen an die Versicherten herantreten.
  3. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie sich eine parallele durchdachte Ernährungsumstellung auf das Wohlbefinden und Körpergefühl auswirken kann – auch ohne Adipositas! Das ist wirklich beeindruckend. Hier kommen somit zwei krebspräventive Aspekte zusammen. Und das funktioniert: ohne Einschränkungen und ohne latentes Hungergefühl! Das Wollen ist der Schlüssel zum Erfolg!
  4. Würde man nur einen Teil der Zeit der wöchentlichen Mediennutzung in Bewegung reinvestieren, entstünde daraus ein respektables Bewegungsprogramm.
  5. Ein Schrittzähler beweist es: täglich 5000 Schritte und dreimal pro Woche 10.000 sind wirklich kein Problem!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein schönen Jahreswechsel und für das kommende Jahr Gesundheit, Glück und Zufriedenheit!

Ihr Harald Keifert

Quelle: Dr. Susanne Heinzl, Medscape Medicine
Veröffentlicht unter Team

FLAME: diese Studie wird definitiv die neuen Leitlinien zur Behandlung der COPD verändern!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Pharmakotherapie der COPD steht bereits seit einiger Zeit auf wackeligen Beinen. ICS ja oder nein? Wer profitiert vielleicht doch davon – oder sollten alle mit dualer Bronchodilatation behandelt werden? Vielleicht die ICS besser doch weglassen, weil sie das Pneumonierisiko erhöhen? Und was machen wir mit unseren ACOS-Patienten?

Diese Fragen werden sehr gut durch die aktuelle FLAME-Studie beantwortet. Hierzu wurde in Medscape am  26. Mai 2016 ein sehr gut aufgearbeiteter Artikel von Manuela Arand veröffentlicht.

Viel Spaß und interessante Impulse beim Lesen!

Ihr Harald Keifert

FLAME-Studie bringt inhalative Steroide bei COPD unter Feuer: Bronchodilatatoren beim Exazerbationsschutz überlegen

Manuela Arand
http://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4904899#vp_2 (19.06.16)

San Francisco – Die beim Kongress der American Thoracic Society (ATS) und zeitgleich im New England Journal of Medicine präsentierte FLAME-Studie hat das Potenzial, die medikamentöse Therapie der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) grundlegend zu verändern [1,2].

Bisher empfehlen die Leitlinien für Patienten mit schlechter Lungenfunktion und häufigen Exazerbationen ein inhalatives Steroid (ICS), kombiniert mit einem lang wirksamen Beta2-Agonisten (LABA). Laut FLAME schützt die Kombination LABA plus lang wirksames Anticholinergikum (LAMA) besser.

Auch bei schwerer COPD: LABA/LAMA besser als ICS

FLAME setzt den vorläufigen Schlusspunkt unter eine Reihe von Studien, die den Stellenwert der ICS bei der COPD infrage stellen, wie Erstautorin Prof. Dr. Jadwiga Wedzicha, Imperial College London, erläuterte. Waren zunächst Patienten ohne oder mit wenig Exazerbationen untersucht worden, konzentrierte sich FLAME nun auf schwer kranke COPD-Patienten, insgesamt 3.362 an der Zahl.

Drei Viertel von ihnen hatten eine hohe Symptomlast und ein hohes Risiko für künftige Exazerbationen und gehörten damit zur GOLD-Gruppe D. Die übrigen waren praktisch komplett der Gruppe B mit hohem Risiko, aber wenigen Symptomen zuzurechnen. Alle hatten mindestens eine moderate bis schwere Exazerbation im Vorjahr durchgemacht, jeder Fünfte sogar 2 oder mehr.

Um es kurz zu machen: Die LABA/LAMA-Kombination Indacaterol/Glycopyrronium erwies sich der LABA/ICS-Kombi Salmaterol/Fluticason nicht nur als ebenbürtig, sondern als signifikant überlegen. Der primäre Endpunkt, die Rate aller Exazerbationen von leicht bis schwer, wurde um 11% reduziert (p = 0,003).

Noch ausgeprägter zeigte sich der Effekt bei moderaten bis schweren Exazerbationen (17% Risikoreduktion, p < 0,001) und bei der Zeit bis zur ersten moderaten oder schweren Exazerbation (22% Risikoreduktion, p < 0,001), laut Wedzicha ein Maß für die Empfindlichkeit gegenüber Exazerbationen.

„Was die Studie bemerkenswert macht, ist die hohe Konsistenz der Ergebnisse“, betonte Wedzicha. Die präspezifizierten Subgruppenanalysen zeigten keinerlei Ausreißer. Alle Patientengruppen profitierten gleichermaßen von LABA/LAMA unabhängig von Alter und Geschlecht, aber auch vom Schweregrad der Erkrankung oder der Atemwegsobstruktion, von der Vorbehandlung, der Exazerbationshistorie und dem Rauchstatus.

Auswirkungen auf Leitlinien und Therapie-Algorithmen

„Die duale Bronchodilatation ist künftig erste Wahl bei der COPD-Therapie“, so die Pneumologin. „Unsere Leitlinien und Algorithmen werden entsprechend geändert werden müssen.“ Zudem zeigte sich Indacaterol/Glycopyrronium auch bei anderen Endpunkten überlegen, so bei Lebensqualität, Gesundheitsstatus allgemein, Bedarf an Akutmedikation und – wenig überraschend – Lungenfunktion.

In der ICS-Diskussion wird häufig das erhöhte Pneumonierisiko unter den Steroiden aufgeführt. Dieses zeigte sich auch hier. Unter LABA/LAMA entwickelten 53 Patienten (3,2%) eine Pneumonie, unter LABA/ICS 80 (4,8%). Der Unterschied war statistisch signifikant (p = 0,017). Ansonsten unterschieden sich die beiden Gruppen im Sicherheitsprofil nicht wesentlich.

Auch FLAME wirft natürlich neue Fragen auf: „Es wird jetzt darum gehen, die Rolle der ICS zu definieren“, sagte Wedzicha. Bisher werden Patienten als ICS-Kandidaten gehandelt, die hohe Eosinophilenzahlen im peripheren Blut aufweisen. Aber die Analysen, die das gezeigt haben, waren sämtlich retrospektiv erfolgt. FLAME ist die Frage als erste Studie prospektiv angegangen, und hier zeigte sich kein ICS-Benefit.

Wer bleibt ein Kandidat für inhalative Steroide?

Welche strategischen Konsequenzen sind jetzt zu ziehen? Wedzicha würde Patienten zunächst grundsätzlich auf Bronchodilatatoren einstellen. Wenn dann immer noch Exazerbationen aufträten, könne über die Zugabe eines ICS nachgedacht werden.

Bei Patienten, die bereits auf LABA/ICS eingestellt sind, sollte ein Auslassversuch erwogen werden, wenn die COPD unter der Therapie stabil ist. Studien wie WISDOM und OPTIMO zeigen, dass die Patienten dann nicht häufiger exazerbieren, aber natürlich müssen sie sorgfältig überwacht werden.

Normalerweise reicht eine gute Studie nicht, um Leitlinien zu verändern, räumte Wedzicha auf Nachfrage ein. „Aber die Daten sind sehr eindrucksvoll und konsistent – ich denke, wir werden das zumindest diskutieren müssen.“

Ähnlich sieht es Prof. Dr. Claus Vogelmeier, Universität Marburg, Chairman des GOLD-Komitees, das die wichtigsten internationalen Empfehlungen zum COPD-Management herausgibt. Für 2017 steht eine grundlegende Überarbeitung der Empfehlungen an, und Vogelmeier ist überzeugt, dass die FLAME-Daten darin ihren Platz finden werden: „LABA/LAMA werden weiter nach vorne rücken in den Algorithmen – die Studienlage, die das begründet, ist inzwischen sehr dicht.“

Was aus den ICS in der COPD-Therapie wird, lässt sich noch nicht abschätzen. Selbst die Idee, Kandidaten für die ICS-Gabe anhand der Eosinophilenzahl zu identifizieren, wird durch FLAME infrage gestellt. Denn Patienten mit mehr als 2% Eosinophilen im Blut profitierten ebenso wie die mit niedrigerem Eosinophilenanteil.

Möglicherweise wurde aber hier der falsche Cut-off gewählt, gab Vogelmeier zu bedenken. Statt der Prozentangabe sollten besser absolute Zellzahlen benutzt werden. Ein sinnvoller Cut-off könnte nach seiner Ansicht bei 300/µl liegen, aber das bleibe noch durch Studien zu verifizieren.

Referenzen:

  1. ATS (American Thoracic Society) International Conference 2016, 13. bis 18. Mai, San Francisco/Kalifornien
  2. Wedzicha J, et al. NEJM 2016 (online) 15. Mai 2016

 

Wie stark strahlt mein Smartphone?

Das Bundesamt für Strahlenschutz listet Handys und gibt Tipps für den sicheren Gebrauch
Heute habe ich einen interessanten Beitrag zum Thema „Potentielle gesundheitliche Schäden durch die Nutzung von Smartphones“ für Sie zusammengestellt! Obwohl ich hierzu etliche eigene Gedanken formuliert habe, gehen die fachlichen Inhalte auf einen Artikel zurück, dessen Quelle bzw. Verfasser mir leider nicht bekannt ist. Aufgrund der Wichtigkeit der Thematik habe ich mir dennoch erlaubt, die Inhalte als neuen Artikel zusammenzufassen. Sollte der Verfasser zufällig auf „meine“ Kurzzusammenfassung stoßen, entschuldige ich mich schon jetzt. Es ging mir mit Sicherheit nicht darum, mich mit „fremden Federn zu schmücken“!

In 9 von 10 Haushalten in Deutschland gibt es Handys und immer häufiger wird zugunsten des Mobiltelefons sogar auf einen Festnetzanschluss verzichtet. Ein Leben ohne Smartphone scheint für Viele kaum mehr möglich. Gerade bei Einzelnen der jungen Generation erscheinen sie geradezu wie „festgetackert“ am Ohr des jeweiligen Nutzers zu sein. Aber auch über nahezu alle anderen Altersklassen erfreuen sie sich größer Beliebtheit – zugegeben mit sehr, sehr vielen Vorteilen! Da es jedoch kein menschliches Verhalten gibt, das nicht zur Sucht entarten kann, rufen die Smartphones mit teilweise irrwitzigen tägliche Online-Zeiten bereits die ersten Therapeuten auf den Plan, die sich dieser Problematik annehmen. Das soll aber nicht das heutige Thema sein, sondern eher potentielle physische gesundheitliche Probleme. Gerade Eltern stellen sich immer wieder die Frage, wie es um die gesundheitlichen Gefahren durch die mobilen Endgeräte bestellt ist. Zur Langzeitwirkung und den Effekten auf Kinder weiß man allerdings nicht viel. Die World Health Organization (WHO) stuft elektromagnetische Felder als „womöglich krebserregend“ ein, mit einem eventuell erhöhten Risiko für Gliome und Akustikusneurinome. Für andere Krebsformen gibt es offensichtlich keine ausreichenden Hinweise. Fest steht zumindest, dass zu hohe Strahlungsintensitäten thermische Veränderungen im Körper hervorrufen können. Was viele jedoch nicht wissen: das Bundesamt für Strahlenschutz hat eine Liste mit derzeit über 2000 im Handel befindlichen Handys und Tablets veröffentlicht, in denen die Strahlungsintensität der jeweiligen Modelle angezeigt ist. Und es hält zudem eine ganze Reihe einfacher Tipps bereit, wie man die Strahlenbelastung deutlich reduzieren kann. Dass die elektromagnetischen Felder auf den Körper wirken, ist bekannt. Ihre Energie wird vom Körper aufgenommen und in Wärme umgewandelt. Bei entsprechend hoher Energie führt das möglicherweise zur Erwärmung der inneren Organe, was über einen längeren Zeitraum Gesundheitsschäden auslösen kann. Watt pro Kilogramm ist die Einheit der spezifischen Absorptionsrate (SAR) und das Maß für die Energieaufnahme im Körper. Dieser SAR-Wert variiert von Handy zu Handy, wobei der maximale Wert nicht mehr als 2 W/kg betragen darf. Als strahlungsarm werden mobile Endgeräte mit einem SAR-Wert von 0,6 W/kg oder darunter definiert. Elektromagnetische Felder haben über die thermischen Auswirkungen auf den Körper hinaus auch nicht-thermische Wirkungen, etwa in Form von Krafteinwirkungen auf die Zellen. Allerdings treten diese erst ab deutlich höherer Strahlenbelastung als die thermischen Wirkungen auf, so dass sie zumindest bezogen auf mobile Endgeräte vermutlich ausgeschlossen werden können.

Die SAR-Liste des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) listet derzeit Mobiltelefone von mehr als 60 Herstellern auf. Die Suche nach dem eigenen Handy oder dem künftigen Wunschgerät ist denkbar einfach: Man gibt lediglich im Suchfeld den Produktnamen ein und erhält als Ergebnis die Strahlungswerte. Angegeben wird der SAR-Wert, der am Ohr gemessen wird, aber auch den „SAR-Wert am Körper“. Damit wird derjenige Strahlungswert angegeben, der in einem bestimmten Abstand vom Körper gemessen wird. Dieser sollte eingehalten werden, um die Belastung auf ein Minimum zu reduzieren. Denn mit dem Abstand verringert sich die Strahlung deutlich. Hierfür werden spezielle Handytaschen mit Abstandhaltern angeboten.

Und hier der Link: https://www.bfs.de/SiteGlobals/Forms/Suche/BfS/DE/SARsuche_Formular.html

Und hier einige Tipps des BfS, wie sich die Strahlung im Alltag reduzieren lässt:

1. Wo immer ein Festnetzanschluss ist, ist dieser auch zu nutzen.
2. Wer über das Handy kommuniziert, sollte die Gespräche möglichst kurz halten – und zwar ganz besonders dann, wenn der Empfang schlecht ist, denn dann strahlen Handys ganz besonders stark, um die Sendequalität zu verbessern. Das ist zum Beispiel in einem Auto ohne Außenantenne der Fall.
3. Eine SMS anstelle eines Telefonats reduziert ebenfalls das Risiko, da hierbei der Abstand des Gerätes zum Kopf naturgemäß größer ist.
4. Generell empfiehlt das BfS die Nutzung von Headsets, um den Abstand der Antenne des Gerätes zum Kopf zu vergrößern und die Intensität der elektromagnetischen Felder deutlich zu verringern.
5. Smartphones können auch Wireless Lan (WLAN) nutzen. Wer E-Mails abrufen oder im Internet surfen möchte, sollte bei Verfügbarkeit auf WLAN umschalten, da die Sendeleistung unter dieser Einstellung niedriger ist als unter Mobilfunkstandards.
6. E-Mails sollten außerdem nicht abgerufen werden, wenn man gleichzeitig telefoniert, da auch das die Strahlenbelastung erhöht. Man kann den Hintergrunddatenverkehr abschalten, um die Belastung auf ein Minimum zu reduzieren.
7. Zudem sollte der vom Hersteller empfohlene Mindestabstand eingehalten werden, etwa durch spezielle Handytaschen. Auch bei der Nutzung von Tablets ist ein Mindestabstand zu empfehlen.
8. Menschen mit Herzschrittmachern sollten das mobile Endgerät auf jeden Fall nicht über längere Zeit betriebsbereit am Oberkörper, etwa in der Hemdtasche tragen. Es hat sich gezeigt, dass Handys noch mit einem Abstand von 20 cm Störungen der Schrittmacher verursachen können.
9. Darüber hinaus sollte natürlich von vorneherein beim Kauf des Handys oder Smartphones auf strahlungsarme Modelle zurückgegriffen werden. Das ist gar nicht mal so schwierig, denn immerhin knapp die Hälfte aller Smartphones auf dem Markt wird mittlerweile als strahlungsarm eingestuft.

Ich hoffe mit diesem etwas ausgefalleneren Thema Ihren Geschmack getroffen und Ihnen einige noch nicht bekannte Fakten vermittelt zu haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen guten Start in eine sonnige Frühlingswoche.

Ihr
Harald Keifert

Grippeschutzimpfung – machen oder lassen?

Liebe Leserinnen und Leser,

Impfen – ja oder nein? Dies ist eine ganz grundsätzliche Frage, die einer sehr kritischen Risiko-Nutzen-Abwägung bedarf. Natürlich sind spezielle Impfkomplikationen ein Drama für den einzelnen Betroffenen – da sind Erkrankungen, die sich aufgrund einer ausgeprägten Impfzurückhaltung ergeben können aber auch!

Sicherlich kann man sich speziellen Infektionen durch eine zurückhaltende Urlaubsgestaltung entziehen, wobei es in unseren „globalen Welt“ immer schwieriger ist, auch durch vernünftiges Verhalten, ein hohes Maß an Sicherheit zu genießen. Und gegen Grippeviren kann man sich wirklich kaum schützen! Gerade bei älteren Personen, chronisch Kranken und Schwangeren können bei einer Erkrankung lebensbedrohliche Komplikationen auftreten.

Eine aktuelle Untersuchung, die in JAMA publiziert wurde, verglich die Häufigkeit der grippeassoziierten Pneumonie bei Personen mit und ohne Impfschutz [Grijalva CG, JAMA 2015, 314: 1488 – 1497]. Die Aussage war sehr eindeutig. Die Grippeschutzimpfung muss nicht nur unter dem Aspekt der Vermeidung der Infektion gesehen werden, sondern auch als Schutz vor Komplikationen. Kommt es trotz Impfung zu einer Infektion, dann wird das Risiko an einer Influenzapneumonie zu erkranken drastisch vermindert. Patienten mit einer Erkrankung vom Typ Influenza B profitieren ganz besonders vom Pneumonieschutz der Impfung!

Ich hoffe, heute wieder ein paar neue Infos für Sie zusammengetragen zu haben und wünsche Ihnen einen gesunden Restwinter.

Ihr Harald Keifert

Ambroxol – jetzt wissen wir mehr darüber!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir verwenden dieses Medikament seit vielen, vielen Jahren – und wussten bislang immer noch nicht genau wie es funktioniert! Es hat eben gewirkt . . . jetzt gibt es aktuelle Erkenntnisse, die auch bei der Behandlung anderer Erkrankungen hilfreich sein könnten. Hier ein interessanter Artikel für Sie!

Herzliche Grüße und einen entspannten Jahresausklang!

Ihr Harald Keifert

Ambroxol regt „zelluläre Müllabfuhr“ an

Seit mehr als drei Jahrzehnten wird der Arzneistoff Ambroxol, weithin unter dem Handelsnamen Mucosolvan bekannt, weltweit bei Husten und festsitzendem Sekret in den Atemwegen eingesetzt. Bislang war lediglich geklärt, wie der Wirkstoff Schmerzen mindert. Forscher um Professor Paul Dietl, Leiter des Instituts für Allgemeine Physiologie an der Uni Ulm, konnten nun erstmals den für die Schleimlösung verantwortlichen molekularen Mechanismus nachweisen: Ambroxol stimuliert mithilfe des Botenstoffs Kalzium (Ca2+) die Ausschleusung von „Abfallprodukten“ aus der Zelle. Die Wissenschaftler haben somit nicht nur eine völlig neue Arzneistoff-„Spezies“ entdeckt, sondern auch mögliche neue Therapieansätze für neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson, bei denen der Abtransport von nervenschädigenden Ablagerungen gestört ist. Die Erkenntnisse des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachjournal Cell Calcium.

Der Wirkstoff Ambroxol wird künstlich aus Vasicin hergestellt, dem medizinischen Inhaltsstoff des Indischen Lungenkrauts. Während die schmerzlindernde Wirkung gut verstanden ist, stützten sich Wissenschaftler bislang nur auf Vermutungen, wie es Ambroxol gelingt, die Fließeigenschaften und die Beschaffenheit des Schleims zu verändern und damit die Selbstreinigung der Atemwege anzuregen. „Ambroxol wirkt als eine Art ‚zelluläre Müllabfuhr‘. Es ist uns gelungen, erstmalig den Mechanismus nachzuweisen, der die sogenannte lysosomale Sekretion in den Epithelzellen der Lunge auslöst“, erläutert der Ulmer Physiologe Dietl. Bei diesem Vorgang verschmelzen Zellorganellen, die Lysosomen, mit der Plasmamembran der Zelle und initiieren so die Ausschleusung von „Zellabfall“. Lysosomen, eine Art „Magen der Zelle“, bauen mithilfe von Säure und Enzymen zelluläre „Abfallprodukte“ wie etwa alte oder fehlgebildete Proteine ab. Dieser „Müll“ wird dann mittels einer Art Stofftransport, der so genannten Exozytose, aus der Zelle befördert.

Ambroxol setzt den Botenstoff Kalzium frei

Die Wissenschaftler klärten auch auf, wie Ambroxol konkret dazu beiträgt: Der Arzneistoff ist schwach basisch und setzt an den Lysosomen an, die einen sauren pH-Wert haben, wodurch sich dieser neutralisiert. Diese Veränderung setzt Kalzium, einen Botenstoff für die Exozytose, aus diesen sauren Ca2+-Speichern frei. Die daraus resultierende Erhöhung der Ca2+-Konzentration im Zytoplasma bewirkt, dass die Organellen mit der Plasmamembran verschmelzen: die lysosomale Sekretion beginnt. In bestimmten Zellen der Lunge werden auch Fette und fettlösliche Eiweiße in die Lysosomen verpackt. Das dadurch entstehende Surfactant ist eine nützliche Substanz, die die kleinen Atemwege offenhält und sie vor dem Verkleben schützt. Sie hilft sehr wahrscheinlich dabei, das zähe Hustensekret zu lösen und über den normalen Weg der Selbstreinigung abzutransportieren. Da Surfactant auch ein wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems ist, könnten mit den Ergebnissen erstmals auch seit langem bekannte Effekte von Ambroxol wie zum Beispiel die entzündungshemmende Wirkung erklärt werden. Surfactant bindet nämlich schädigende Partikel wie Bakterien oder Viren und bereitet sie so für den Abbau vor.

Der von den Wissenschaftlern um Professor Dietl aufgeklärte Entsorgungsvorgang könnte sich auf neurodegenerative Erkrankungen positiv auswirken, bei denen Ablagerungen nicht mehr abgebaut werden. Hinweise in der Literatur deuten darauf hin, dass bei Parkinson oder bestimmten angeborenen Stoffwechselerkrankungen wie lysosomalen Speicherkrankheiten die gestörte Zell-Müllabfuhr reaktiviert werden könnte, um neue Therapien oder Prophylaxen zu ermöglichen.

Die vielversprechenden Ergebnisse resultieren aus der Zusammenarbeit mit Professor Thomas Haller, Leiter der Arbeitsgruppe Lungenphysiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck sowie aus der Kommunikation mit Dr. Birgit Jung von der Firma Boehringer Ingelheim. Das Unternehmen brachte den Wirkstoff vor 36 Jahren auf den Markt. Zusammen mit der Uni Ulm hat die Firma im Jahr 2011 den vom Land geförderten Forschungsverbund Boehringer Ingelheim Ulm University BioCenter (BIU) eingerichtet. Im Zentrum dieser Kooperation stehen neben der Erforschung von Lungenerkrankungen, die Professor Dietl leitet, auch neurodegenerative und kardiometabolische Krankheitsbilder.

Veröffentlichungshinweis: G. Fois, et al., A new role for an old drug: Ambroxol triggers lysosomal exocytosis via pH-dependent Ca2+ release from acidic Ca2+ stores, Cell Calcium (2015), dx.doi.org/10.1016/j.ceca.2015.10.002

Quelle: http://www.uni-ulm.de/home/uni-aktuell

Wann soll jetzt transfundiert werden und wann nicht?

Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer hat diese Diskussion auf der Intensivstation noch nicht geführt? „Der Patient braucht unbedingt Blut!“ – „Nein, auf keinen Fall, das ist viel zu riskant. Außerdem ist der Hb noch bei 7!“ Ist das wirklich so einfach? Natürlich nicht – das wissen die meisten! Und wie sieht es eigentlich in prolongierten Weaning-Prozessen aus?

Mit diesem kurzen Artikel, der dem BEATMUNGSBUCH entnommen ist und aktuell von mir überarbeitet wurde, habe ich versucht die wichtigsten Informationen für Sie zusammenzufassen und freue mich natürlich wie immer über angeregte Diskussionen.

Kollegiale Grüße an Sie alle!

Ihr Harald Keifert

Transfusionskonzept

Die schwierige Thematik der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten wurde bereits in unterschiedlichen Zusammenhängen angesprochen. Problematisch stellt sich die Tatsache dar, dass die Frage, ob sich durch eine Anhebung des Hämoglobingehalts Weaning-Verläufe günstig beeinflussen lassen, nicht eindeutig beantworten lässt, da es keine Studien gibt, die ausschließlich bei Patienten im prolongierten Weaning durchgeführt wurden. Dementsprechend uneinheitlich präsentieren sich auch die Aussagen der aktuellen Leitlinien, die eine konservative Transfusionsstrategie einer liberalen gegenüberstellen. Generell betrachtet zeigen auch andere Studien zur Frage „Transfusionstrigger“ sehr heterogene Ergebnisse.

Im Folgenden sollen neben aktuellen allgemeinen Gesichtspunkten zu Fragen der Erythrozytentransfusion, spezielle Erkenntnisse der derzeitigen Weaning-Leitlinien dargestellt werden. Diese Zusammenstellung ermöglicht dem Kliniker zu einer reflektierten und sicheren Entscheidung zu kommen, welcher Hämoglobinwert in der individuellen Situation angestrebt werden soll.

Grundlegende Informationen

In Deutschland ist der Umgang mit Blutprodukten im Transfusionsgesetz geregelt. Richtlinien mit einer sehr hohen rechtlichen Verbindlichkeit liefern dem behandelnden Arzt die erforderlichen Vorgaben, die es ihm ermöglichen den allgemeinen Stand der medizinischen Wissenschaft zu beachten und umzusetzen. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass die Gabe von Erythrozytenkonzentraten dann indiziert ist, wenn ohne Transfusion die Gefahr einer anämischen Hypoxie besteht und eine andere zumindest gleichwertige Behandlungsoption nicht zur Verfügung steht. Für Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden müssen, wird davon ausgegangen, dass sie hinsichtlich Morbidität und Mortalität von einer restriktiven Transfusionsstrategie profitieren können, die einen Hämoglobinzielwert von 7 – 9 g/dl vorsieht [333].

Empfehlungen der Querschnittsleitlinien [333]:

1. Sofern keine Risiken für eine eingeschränkte Kompensationsfähigkeit (z. B. KHK, Herzinsuffizienz, zerebrovaskuläre Insuffizienz) und auch keine Hinweise auf eine anämische Hypoxie (z. B. SCVO2 < 60 %, neu aufgetretene Veränderungen in der Echokardiografie, Dyspnoe) vorliegen, sollte bei einem Hb-Wert von 6 – 8 g/dl nicht transfundiert werden.

2. Liegt jedoch eine eingeschränkte Kompensationsfähigkeit vor, sollte bei einem Hb-Wert von 6 – 8 g/dl transfundiert werden.

3. Besteht ein Hinweis für eine anämische Hypoxie, sollte bei einem Hb-Wert von 6 – 10 g/dl transfundiert werden.

4. Bei einem Hb-Wert von über 10 g/dl sollte nicht transfundiert werden.

Konservative Transfusionsstrategie

Die zurückhaltenden Empfehlungen nationaler wie internationaler Leitlinien zur Transfusion von Erythrozytenkonzentraten sind sehr gut nachvollziehbar, da in zahlreichen Studien relevante Komplikationen auf Grund eines liberalen Transfusionsvorgehens nachgewiesen werden konnten. Hierzu gehören eine Zunahme der Letalität bei Intensivpatienten [311], vor allem im Zusammenhang mit einer steigenden Anzahl an Erythrozytenkonzentraten [314], ausbleibende positive Effekte auf das Outcome beatmeter Patienten [312] sowie negative Auswirkungen auf das Immunsystem bei der Transfusion allogener Erythrozytenkonzentrate [313]. Trotz dem Abgleich der AB0- und Rhesuskompatibilität bleiben zahlreiche Blutgruppenantigene unberücksichtigt. Neben einer Zunahme ventilatorassoziierter Pneumonien konnten auch vermehrt ARDS-Fälle nachgewiesen werden [300]. Das transfusionsinduzierte Lungenversagen (TRALI) hängt zwar sehr eng mit der Transfusion von Blutplasma zusammen, es wurde aber zum Zeitpunkt der Untersuchungen auch bei einer isolierten Gabe von Erythrozyten beobachtet. Weitere Kontra-Argumente beziehen sich neben der Gefahr hämolytischer Komplikationen auf anaphylaktische Reaktionen, das Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten sowie eine Belastung des Spenderpools, um nur einige wichtige Beispiel zu nennen. Mitunter wird auch die Qualität der transfundierten Erythrozyten bezüglich ihrer Sauerstofftransportkapazität angezweifelt.

Da mit einer Transfusion eine anämiebedingte zusätzliche Belastung des Herzens und der Atemmuskelpumpe vermieden werden soll, wurde auch dieser Zusammenhang untersucht. Neben Studien, die eine Anämie bei kardial erkrankten Patienten als unabhängigen Risikofaktor für ein schlechteres Outcome nachweisen konnten, wurden auch Untersuchungen publiziert, die der Transfusion bei älteren Patienten mit Myokardinfarkt keine positiven Effekte zuschreiben konnten. Limitationen in den einzelnen Studiendesigns erschweren eine sichere Einschätzung zusätzlich [300]. Ob eine Zunahme des arteriellen Sauerstoffgehalts tatsächlich zu einer Verbesserung des Weaning-Erfolgs führt, müsste anhand von Studien mit größeren Fallzahlen nachgewiesen werden.

Daher lautet die Empfehlung im Rahmen der konservativen Transfusionsstrategie einen Hb-Wert oberhalb von 8 bis maximal 10 g/dl anzustreben, wenn klinische Symptome auftreten, die auf eine anämische Hypoxie hinweisen. Hierzu gehören unter anderem die folgenden

Symptome sowie eine Auswahl physiologischer Parameter, die zumeist einfach zu erheben sind [300]:

Tachykardie
Blutdruckabfall unklarer Ursache
Dyspnoe
ischämietypische EKG-Veränderungen
neu aufgetretene Veränderungen in der Echokardiografie
Abfall der zentralvenösen Sauerstoffsättigung unter 60 %
Laktatazidose bei einem Laktatspiegel > 2 mmol/l

Durch das Verhältnis von Sauerstoffaufnahme und Sauerstoffabgabe kann festgestellt werden, ob ein Patient tatsächlich von einer Transfusion profitiert hat.

Ein Hb-Wert oberhalb von 10 g/dl nach Transfusion wird nur nach einer Zusammenschau aller vorliegenden klinischen, laborchemischer und apparativer Ergebnisse empfohlen, und erst dann, wenn in ausgewählten Situationen, zum Beispiel im prolongierten Weaning, durch eine Zunahme des arteriellen Sauerstoffgehalts eine Verbesserung der genannten Symptome und Parameter hochwahrscheinlich zu erwarten ist. Somit folgt diese Vorgehensweise der differenzierten Indikationsstellung und spricht sich damit gleichzeitig gegen eine grundsätzliche Anhebung des Hämoglobins auf Werte oberhalb von 10 g/dl aus.

Liberale Transfusionsstrategie

Die maßgebliche Kritik der Vertreter der liberalen Strategie liegt darin, dass bei den Empfehlungen zur konservativen Vorgehensweise keine Einbindung aller relevanten Fachgesellschaften erfolgte, was dazu geführt hat, dass wesentliche Impulse und wissenschaftlichen Daten nicht berücksichtigt werden konnten. Außerdem wird angemerkt, dass sich die Studien auf Komplikationen beziehen, die zwar relevant sind, aber durch den erheblichen Fortschritt der Medizin, aber auch durch neue gesetzliche Vorgaben an Bedeutung verloren haben. Beispielsweise waren Erythrozytenkonzentrate in damals richtungsweisenden Studien nicht leukozytendepletiert. Ferner wird kritisiert, dass die Ergebnisse überwiegend an akut er-krankten, eher kurzfristig aufgrund von Infektgeschehen beatmeten Patienten gewonnen wurden, deren Situation sich überwiegend nicht auf Patienten im prolongierten Weaning übertragen lassen. Auch die Vorgehensweise bei der Transfusion wird kritisch betrachtet. Argumentiert wird, dass eine akute Herzinsuffizienz durch eine Volumenüberladung bei sehr schneller Transfusion in Akut- und Notfallsituationen sicher eher zu befürchten ist, als im Weaning, bei dem kein schneller Ausgleich eines Erythrozytenverlusts erforderlich ist. Auch ein TRALI tritt inzwischen aufgrund eines spezifischen Spenderausschlusses beziehungsweise durch spezielle vorbeugende Diagnoseverfahren wesentlich seltener auf.

Das liberale Regime begründet sich vor allem auf pathophysiologischen Erkenntnissen. Außerdem wird davon ausgegangen, dass die Ausnahmeregelung des konservativen Vorgehens, das einen höheren Hb-Wert akzeptiert, nicht relevant ist, da Patienten im prolongierten Weaning in der Regel keine anämische Hypoxie haben. Hingegen liegen regelhaft eine Insuffizienz der Atemmuskelpumpe sowie eine kardiale Grunderkrankung vor. Da beide Organe für die zelluläre Sauerstoffversorgung verantwortlich sind, ist es offensichtlich, dass es bei einer Anämie zu einer Zunahme der Herzleistung kommen muss, um das Sauerstoffangebot konstant zu halten. Da die Ventilation unmittelbar mit der Perfusion zusammenhängt, resultiert aus einer Zunahme der Herzleistung eine erhöhte Belastung der Atemmuskelpumpe. Umgekehrt lässt sich daraus schließen, dass durch eine Erythrozytentransfusion eine Zunahme des Weaning-Erfolgs resultieren kann [136], zumal die genannten Organe bei einem höheren Hb-Wert einen geringeren Sauerstoffverbrauch haben. Auch konnte eine Reihe an Arbeiten zeigen, dass eine Anämie mit einer deutlichen Zunahme an Komplikationen, vor allem aber mit einer verlängerten Beatmungszeit und Mortalität einhergeht [300].

Auf der Basis der vorausgehenden Argumente empfiehlt das liberale Transfusionsmanagement in schwierigen prolongierten Weaning-Situationen den Hb-Wert in den Normbereich anzuheben.

PRAKTISCHER HINWEIS

Es ist davon auszugehen, dass transfundierte Erythrozyten nach etwa einem Tag ihre volle Sauerstofftransportfähigkeit erlangt haben [315].

Zur Diagnostik und Therapie einer Anämie sollte man immer Hämoglobinkonzentration, Hämatokrit und die Erythrozytenzahl in der Zusammenschau betrachten.

Bei einer Hypovolämie können weder der Hb- noch der Hämatokritwert den Erythrozytenmangel korrekt widerspiegeln.

Die Zellindizes MCH (mittlerer Hämoglobingehalt eines einzelnen Erythrozyten), MCV (mittleres Volumen eines einzelnen Erythrozyten) und MCHC (mittlere Hämoglobinkonzentration eines einzelnen Erythrozyten) dienen einer genaueren Charakterisierung der Anämie.

Die angegebenen Quellen [Quelle] können beim Verfasser des Artikels angefragt werden.